Auf meinem Facebook-Newsfeed ist wenig los. Würde einer meiner Freunde ein paar mal am Tag ein .gif von einem Tumbleweed posten, würde das ganz gut passen. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich wenig Freunde habe, sondern in erster Linie, dass ich viele von ihnen von meinem Newsfeed verbannen musste. Manche mit Freude, manche schweren Herzens, aber insgesamt doch einige.

Dabei gehe ich im Normalfall nach einer Drei-Strike-Regel vor. Drei mal was Nerviges geposted und man kann sich nur noch über die Aktivitäten-Leiste rechts oben auf meinen Bildschirm schleichen. Das erscheint vielleicht ein bisschen hart, aber man darf auch nicht vergessen, dass es 99% der Leute vermutlich nicht im Geringsten interessiert, ob ich ihre Posts sehe oder nicht. Für so wichtig halte ich mich nicht, und immerhin hab ich so ja noch drei Bilder von dem neuen Kind/Haustier/Auto/Haus/etc. gesehen. Hat jemand mal tatsächlich in einer Woche ein Kind bekommen, einen Hund gekauft und sein Auto geputzt, lasse ich schon auch mal Gnade vor Recht gelten, und ohnehin schreibe ich auch nicht auf wer wie oft was geposted hat, und so können nervige Posts natürlich auch verjähren, keine Sorge.

Doch wie jede gute Regel, hat natürlich auch die Drei-Strikes-Regel eine Ausnahme: der Listicle. Ein Listicle, geshared oder so geliked, dass ich ihn auf meinem Newsfeed habe, zählt als mindestens fünf Strikes auf einmal. Wunderschön aus „list“ und „article“ zusammengeschustert ist ein Listicle ein Artikel bloß in Form einer Liste.  Diese Art und Weise zu schreiben ist an sich natürlich erstmal nicht verwerflich, und natürlich sind, wie so vieles im Leben, Listicles nicht alle gleich.

Streng genommen sind unsere hauseigenen Kategorien Mixtape Monday und Trailerschau auch welche, aber ich denke ihr alle wisst was ich hier meine. Im Normalfall mit einer Überschrift ausgestattet, die auch gleich schon mal ankündigt wie viele Punkte abgehandelt werden, ist der Listicle die wahrscheinlich faulste Methode irgendetwas zu verfassen.  Frei von jeglicher selbstauferlegten Verpflichtung einen zusammenhängenden Text mit Überleitungen zwischen den einzelnen Punkten zu schreiben, kann man so richtig schön alles, was einem einfällt, hinklatschen. Dann Nummern vor die einzelnen Punkte setzen und einen generischen reißerischen Titel drüber und fertig ist der labberige Journalismus-Cheeseburger zum mitnehmen.

Die wohl bekannteste Seite im Internet die mit derartigen Perlen ihr Geld verdient ist BuzzFeed. Da gibt es alles von „39 S’mores That Will Change Your Life“ zu „25 Clever Tricks To Make Your Summer So Much Better“. Wusstet ihr schon, dass man zu einem angekohlten Marshmallow verschiedene Sachen essen kann, und dann schmeckt es ein bisschen anders? Hier ist ein cleverer Trick, der deinen Sommer so viel besser macht: Hör auf belanglose Scheiße zu lesen.

Ich weiß nicht mal ob mein Hass auf diese Seite und ihre Artikel so gerechtfertigt ist, aber zum Beispiel bei diesem Exemplar (friss meinen Traffic, Buzzfeed) geht mir einfach nur noch der Hut hoch. In „15 Types Of People You Meet At The Pool“ werden Arten von Menschen aufgelistet, die man im Schwimmbad antreffen könnte. Von Leuten die schwimmen können bis zu Leuten die nur daneben liegen und nicht schwimmen, und sogar alte Leute. Wow. Und irgendwo sitzt wer und fällt vom Stuhl vor lachen oder was? HAHAHA ICH HAB AUCH SCHON MAL NEN ALTEN MENSCHEN IM SCHWIMMBAD GESEHEN HAHAHAHAHAHAHAHA.

Zugegebenermaßen gilt auch hier, wenn einen im Internet was nervt, dann geht man halt nicht auf die Seite und gut ist. Und löscht die Leute die so etwas posten von seinem Newsfeed. Richtig, und richtig. Mache ich auch. Aber die Sache wurmt mich trotzdem, denn damit wird Unmengen an Geld verdient. Diese Art von Content-Creation bringt Klicks ohne Ende und kostet im Grunde genommen fast nichts. Und jeder der so einen Link anklickt bestätigt im Grunde diese Art von billigem Journalismus. Und das kann doch keiner wollen.

Ich sehe es ja ein, die Überschriften funktionieren. Man weiß vorher schon was man aufgetischt bekommt und weiß sogar schon durch wie viele Punkte man sich kämpfen muss. Aber ganz ehrlich, eine Einkaufsliste über der „17 Dinge, Die Ich Noch Heute Im Supermarkt Kaufen Muss. #13 Hatte Mich Am Rande Der Sprachlosigkeit.“ steht, ist immer noch bloß eine langweilige Einkaufsliste, auf der jemand an Platz 13 Milh anstelle von Milch geschrieben hat.

Im Leben und auch im Internet wird täglich verzweifelt um eure Aufmerksamkeit gekämpft, und Klicks sind nunmal das Geld des Internets. Macht es den Leuten doch bitte ein bisschen schwerer als es gerade ist.

2014-07-06 20.29.57