Das Sampling ist der Inbegriff elektronischer Musik und sowohl Ausdruck von Technisierung als auch Kultivierung. Meist wird von Menschenhand Geschaffenes gesamplet: zum Beispiel Filmmusik oder Dialogfetzen. Auch Tierlaute werden munter durch den Sampler genudelt.

Das mag wie ein Widerspruch wirken: zurück zur Natur, raus aus der technisierten Großstadt. Aber ohne das Sample bekäme man die Tierlaute ja gar nicht ins Lied. Da hätten Ratatat einen Tiger mit ins Studio nehmen müssen. Viel zu gefährlich!

Trotzdem öffnen Samples im Techno eine Luke zur naturbelassenen Außenwelt. Fünf der erfrischensten Elektro-Tracks mit Tiersamples stelle ich Euch heute vor.

Diese und 250 weitere Lieblingslieder der Redaktion findet Ihr auch in unserer Spotify-Playlist.

18+ – Crow

-Crow muss der Song mit dem penetrantesten Tier-Sample überhaupt sein. Nach dem ersten Anhören denkt man sich: „Och, schön! Zarte Engelsstimmen wie bei The xx! Aber die Krähen hätte man rausgelassen können.“. Trotzdem wird man  sich nicht zurückhalten können und immer wieder auf Play drücken.

 

Gino Soccio – So Lonely

Leider nur ein Re-Edit, zum Original geht es hier.

Dieser Vogelruf, der ein enstpanntes Südsee-Feeling in die Ohrmuscheln spült, stammt vom Seetaucher. Der ist gar nicht in der Südsee, sondern in Kanada und Russland beheimatet. Bei Pitchfork hatte mal jemand zu viel Zeit und hat sich ausführlich mit der Geschichte dieses einen Samples befasst. Aus Seetaucher-Schrei, Meeresrauschen und Klavier erschafft Gino Soccio hier eine bittersüße Ode an die Einsamkeit.

 

Flamingo Jones – Botanical Animal

Flamingo Jones klingt auf Botanical Animal mitunter nach einer fast billigen Kopie von Animal Collective. Allerdings ist hier das buchstäbliche Tierkollektiv zu hören: Grillen, Seetaucher, Uhus, also Tiere, die auch bei uns vorkommen. Warum klingt das Ergebnis dann nach Karibik und nicht nach Karlsruhe?

 

James Blake & Bon Iver – Fall Creek Boys Choir

Mich überrascht es ja, dass Bon Iver, der zum Aufnehmen seiner akustischen Musik in den Wald geht, bei einem Song mitwirkt, der aus Samples besteht. In dieser Hinsicht gab wohl James Blake den Ton an, der gerne Grillen samplet.

Soeben bemerkte ich, dass das Hunde-Sample hier exakt wie das Hunde-Sample auf meinem Simba-Kinder-Keyboard klingt. So nah ist die Möglichkeit, selbst der nächste James Blake sein zu können. Theoretisch-hypothetisch-paralleluniversell.

 

Cosmo Sheldrake – Rich

Wirklich präsent ist die Katze (kein Pelikan, schon wieder irreführendes Cover) nur an Anfang und Ende des Liedes. Doch auf guten Boxen hört man, dass das Katzenschnurren fast durchgehend die Basis des Songs bildet.

Bemerkenswert an Cosmo Sheldrake ist, dass er in all seiner Musik Natur-Samples verwendet, doch sie im Gegensatz zu den zuvor genannten Künstlern alle selbst im Wald aufnimmt. Für mich die schönste Art des Samplens!

 

Weitere Tier-Favoriten: New Order mit Fröschen in Perfect Kiss und Snoop Dogg mit wahrscheinlich keiner echten Katze  in Deez Hollywood Nights.

 

  • Michael Conzelmann

    Coldcut – „Noah’s Toilet“.
    Cornelius „Bird Watching At Inner Forest“.
    Flako „Kuku“.