Nachdem Häuser in großem Stile saniert wurden und der Konsument beim Kauf von jedem elektronischen Gerät auf die jeweilige Energieeffizienz achtet, gibt es inzwischen den Effizienzgedanken in jedem Marktsegment.

Und wie ist das bei den neuen Technologien – z.B. der Kommunikationstechnologie?
So ziemlich genau so. Gern werden uns die Möglichkeiten der „information & communication technologies“ (ICTs), die Umwelt zu schonen, in den schillerndsten Farben präsentiert. Fenster sollen sich automatisch öffnen und schließen, die Heizungen werden nur dort in Betrieb genommen, wo die Wärme benötigt wird und die Wäsche wird per Zeitschalter nachts gewaschen. Dann gibt es nämlich in große Mengen Überhangstrom von durchlaufenden Kraftwerken, aber keine Stromverbraucher.

Lange wurde herumexperimentiert wie dieser Strom gespeichert werden kann. Batterien sind in den meisten Fällen noch zu unwirtschaftlich. Interessant sind hingegen Pumpspeicherkraftwerke die mit dem ungenutzten Strom Wasser auf eine Höhenlage pumpen, einen Berg oder ähnliches und bei starkem Bedarf, wie zum Beispiel in der Mittagszeit, mit dem dann herunter fließenden Wasser Stromgeneratoren antreiben. Allerdings sind Orte, an denen diese Pumpspeicherkraftwerke installiert werden können in Deutschland bereits weitestgehend abgedeckt.

Die Kommunikationstechnologie und smarte Steuerung hilft also Ressourcen effizienter zu nutzen.

Aber auch all diese kleinen Geräte müssen erst einmal hergestellt werden und die Server brauchen Strom. Die Möglichkeit allzeit auf etwas zugreifen zu können, erhöht halt auch deren Zugriffe und Nutzung. Eine durchschnittliche Google-Suche verbraucht 0,3 Wattstunden Energie. Das summiert sich auf. Und da hat noch niemand die neueste Folge der Lieblingsserie gestreamt.
Wie die makroökonimischen Effekte aussehen werden, wenn wir irgendwann alle fleißig unsere Fenster mit Smartphones öffnen und schließen, können die wenigsten und wollen die meisten nicht absehen.

Schon 1865 stellte William Stanley Jevons in seinem Buch `The Coal Question` fest, dass mit der Einführung von Watts effizienteren Dampfmaschinen Englands Kohleverbrauch im Vergleich zu Zeiten der ineffizenteren Newcomens-Dampfmaschine größer wurde. Die effizientere Dampfmaschine eroberte neue Marktsegmente und führte so zu einem Anstieg des Kohlebedarfs anstatt diesen zu dämpfen.

Ähnliches geschah mit der Einführung der Wolframwendel-Glühlampe im frühen 20. Jahrhundert. Diese verbrauchte für die selbe Leuchtleistung nur ein Viertel der Energie einer Kohlenfadenlampe. Statt eines Einbruches des Elektrizitätsmarktes folgte der Siegeszug der Elektrifizierung der Massen.

Dieses Jevons’ Paradoxon wird im weitesten Sinne auch Reboundeffekt, also Abpralleffekt genannt.

Effizienz frisst sich oft selber.

All das hilft uns auch Ressourcen, sei es nun Material, Energie oder halt Geld sparsamer zu nutzen und `mehr heraus zu bekommen` – also effektiver zu wirtschaften. Toll. Oder?

Aber verbrennt das ersparte Geld dann einfach? Worin investieren Haushalte und Industrie das ersparte Kapital? In weiteren Konsum? Ein neues Auto? Ein Barabend? Letzteres ist nicht nur spaßig sondern auf den ersten Blick sogar ökologisch die beste Investition. Man würde ja eher die Dienstleistung als das Bier selber bezahlen. Aber dann: worin investiert die Bar dann das Geld?

Aber es klingt eben so unglaublich gut – wirtschaftlich und ökologisch vorteilhaft – wenn zum Beispiel wieder irgendein spritsparendes Auto vorgestellt wird.

Aber was sind denn die Sekundärfolgen von einem effektiveren Auto?

Wird es dann nicht mit ruhigem Gewissen mehr genutzt? Ist gesellschaftlich akzeptierter? Sorgt dann eine Mehrnutzung des Autos nicht für ein Fortschreiten des `urban sprawls`, der Ausbreitung der Städte? Wenn das Auto die Mobilität dominiert – werden dann Nicht-Autobesitzer ausgeschlossen?

Der Ansatz im Material- und Energieverbrauch effizienter zu werden, lässt sich aber gut verkaufen. Gerade momentan, finden es viele EU-Politiker äußerst praktisch weiterhin unabhängiger von russischen Gasimporten zu werden. Auch ist es natürlich auch im globalen, wirtschaftlichen Wettbewerb von Vorteil mit weniger Ressourcen mehr zu produzieren. Negative makroökonomische Effekte auf Umwelt und Ressourcenverbrauch insgesamt (bei ansteigendem Konsum), sind da erst einmal egal.

Naja, aber trotz aller Unkenrufe: die Steigerung der Energieeffizienz beispielsweise ist immer noch die kostengünstigste Lösung um Energie und damit CO2-Ausstoß einzusparen. Und dabei braucht es nicht immer neue Wärmedämmungen und intelligente Wärme- und Energiesteuerungssysteme. Das von Mutti empfohlene Stoßlüften, spezielle Aufsätze auf Wasserhähnen etc. sind schon einmal ein guter Anfang.

Effizienz ist also wichtig – aber kein Selbstzweck. Allein Effizienz als Ziel (anstatt als Maßnahme) ist angreifbar – aber seltenst hinterfragt. Und das ist bei Produktivität (als Selbstzweck) auch der Fall – aber das ist eine andere Geschichte.

Natürlich bin ich versucht wirre Theorien zu spinnen, was das alles mit der Internalisierung von kapitalistischen Grundsätzen zu tun hat (alles muss produktiv sein und effizienter werden) – aber das evtl. dann doch bei einem Bier.

Effizienz vs Kosum_2

Grafik von: Peter Gericke | CC-BY-NC-SA    [http://www.behance.net/GraPicDesign]

  • Einfach Leben

    Sehr treffend beschrieben. Was nützen mir z.B. die energieeffizientesten Geräte, wenn diese – dank z.B. A++++ so viel teurer sind, als das z.B. A+ Gerät, dass das super effiziente Gerät erstmal jahrlang laufen muss, bevor er sich wirklich rechnet. Und: Dann vermutlich – dank geplanter Obsoleszenz – bereits wieder defekt ist. Ich habe nach der 3. defekten Spülmaschine diese kurzerhand entsorgt und spüle halt wieder von Hand, ganz ohne A++++. Schont Nerven und Geldbörse, was sehr effizient für mein Wohlergehen ist 😉

  • Pingback: beasiswa ke china()

  • Pingback: Pendaftaran CPNS Kemenkumham()

  • Pingback: DMPK()

  • Pingback: Engineer Aws Alkhazraji()

  • Pingback: Stix Event Managers()