Voller Freude habe ich den Text zu den queeren und moppeligen Actionheldinnen von Doktor Mihi gelesen. Ganz wunderbar fände ich es, wenn es solche Filme gäbe in denen alle Charakteristika der Charaktere ausgewürfelt würden. Wir müssten dann mal nebenbei unser Weltbild überdenken und damit würde es neu konstruiert werden: Unsere Lebenswelten wären offener und freier.

Das ist leider nur ein bisschen viel Konjunktiv für meinen Geschmack. Das ist so, als ob man/frau/* einfach mal alles in Frage stellen, aus den Angeln heben und dann andersherum gedreht wieder hinstellen möchte. Ob dieser andere Blickwinkel oder Standpunkt per se aber besser zu dem Weltbild passt, das du oder ich haben, wage ich zu bezweifeln.

Dinge zu konstruieren benötigt viel Energie: Das sieht man beim Bau des Berliner Flughafens oder beim Hausarbeit schreiben. Wenn Dinge nicht schon existieren und durch unsere Erfahrung definiert oder gegeben sind, braucht es viel Kraft und Anstrengung, sie aufs Rollfeld bzw. zu Papier zu bringen. Menschen sind meist faul, gehen am liebsten den Weg des geringsten Widerstandes oder der geringsten Kosten.

Es gibt einen ganzen Berg von psychologischen Studien, die den kognitiven Load (Aufwand) von verschiedenen Aufgaben messen und zeigen: Menschen mögen es, in Schubladen zu denken. Das spart Energie und verbraucht weniger Zucker. Ganz ähnlich wie von Doktor Eck beschrieben.

Wenn sich also eine Regisseurin finden liese, die den Würfel des Zufalls wirft und damit eine Welt kreiert in der „zahlreiche Muskel-Menschen wimmernd unter Tischen [liegen], zahlreiche große schlaksige Frauen andere große schlaksige Frauen [verprügeln], zahlreiche schwule Männer auf ihr Äußeres [scheißen], unglaublich viele Frauen mit langen braunen Haaren in Minirock nicht bisexuell, weil die Gesellschaft das gerne so sehen möchte, sondern lesbisch [sind]“ – dann gäbe es wirklich ein großes Wirrwarr an Eigenschaften und das wäre auch superliberal, offen und tolerant, würde aber auch so viel Zucker in den Köpfen der Menschen verbrennen, dass meine Befürchtung wäre, dass es nachher nicht die Welt zum Positiven veränderte.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Mehrheit der Zuschauer sich den Film gar nicht erst anschaute, da er nicht ihrem Weltbild entspricht. Denn schlaksige Superheldinnen sind nun einmal nicht so schön anzuschauen wie schlanke und mensch will ja unterhalten werden, wenn er/sie/* ins Kino geht. Wenn das der Fall wäre – und so unwahrscheinlich ist das ja nicht –, würde der Film trotz guter Intentionen nur als ein in der queeren Szene gefeiertes Nischenfilmchen enden.

Ich sage nicht, dass es nicht erstrebenswert ist, den Anspruch zu haben in unserer Gesellschaft ein Miteinander zu ermöglichen, bei welchem alles geht, mit wem, wann und wo man/frau/* will! Ich sage nur, dass es schwer und auch unwahrscheinlich sein wird, aus solch einem Film einen Kassenschlager zu machen. Sollte es glücken wäre das sehr schön – wir sollten es zumindest versuchen!