Über 400 Besucher kamen zur allerersten Energiewendekunstausstellung im letzten Jahr. Fast genauso viele Künstler schickten in dem Wettbewerb zuvor ihre Kunstwerke ein. Woher kam das Interesse für die ungewöhnliche Mischung von Kunst und Energiewende?

Energiewende, das hieß einmal: Optimismus, Tatendrang und Aufbruch.Vor allem sollte die gesamte Bevölkerung beteiligt sein.

Inzwischen scheint die Euphorie etwas verklungen zu sein. Politiker, Experten, Lobbyisten und Bürgerinitiativen streiten über die Strompreisentwicklung, Windturbinengeräusche und Stromtrassen. Viele Besucher wollten wohl durch die Kunstausstellung mal etwas anderes von der Energiewende hören als technische Details und Preise. Es sollte um die ursprüngliche Motivation für die Energiewende gehen: den Klimaschutz.

Gleichzeitig haben sicher viele Besucher auch eine kritische Perspektive erwartet.

Beides bekamen sie in der Ausstellung EnergieWendeKunst. Diese fand vom 9.-28. November im silent green Kulturquartier in Berlin statt. Statt Politikern, Umweltschützern oder Wirtschaftsvertretern kamen hier Künstler zu Wort und zeigten, was die Energiewende für sie bedeutet.

 

Das sind die eindrucksvollsten Werke der Künstler zur Energiewende:

Die Installation ‘Like Ice In The Sunshine’ von Romina Farkas (Foto: Michael Dalksi)

Die Installation ‘Like Ice In The Sunshine’ von Romina Farkas (Foto: Michael Dalksi)

In der Eingangshalle der Ausstellung summte und plätscherte es. Romina Farkas Installation ‚Like Ice In The Sunshine‘ begrüßte die Besucher mit einer wirbelnden Bewegung von unzähligen, feinen Schläuchen, die Wasser aus einem Becken saugen und herab regnen lassen.  „Dualistisch wird die naiv anmutende Schönheit der Natur mit einer technophilen Ästhetik gepaart.“ schreibt Farkas in ihrer Beschreibung. Mit ihren zwei weiteren Kunstwerken belegte Farkas den mit 3000 Euro dotierten ersten Platz des Jurywettbewerbs. Damit räumte eine junge Kunststudentin aus Hamburg den Hauptpreis der Ausstellung ab. Die 27 jährige Künstlerin zeigte mit ihren Werken überraschende Ästhetik von technischen Installationen.

 

Subversive Kunst kritisiert Kohle

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Plakat von Vattenfalle (via http://vattenfalle.tumblr.com)

Subversiver ist die Kunst der Gruppe Vattenfalle. Anlässlich der zweiten Erörterung zum Planverfahren des neuen Tagebaus Welzow Süd II im Dezember 2013 überklebten die Künstler Plakate des Energieerzeugers Vattenfall. Darauf zu sehen ist ein Kind mit Asthma und dem sarkastischen Untertitel „Unsere Luft ist mir wichtig“. Damit begann ihre, Adbusting genannte, Kunstform. Als im April diesen Jahres 15 zu 8 in dem Braunkohleausschuss in Cottbus für den neuen Tagebau stimmten, verteilten sie 250 A2-Poster in der Stadt.

 

Prozessoren heizen Ausstellungsraum

Dieser Ofen heizt nicht mit Kohle, sondern mit 12 Prozessoren (Foto: Svante Wellershoff)

Dieser Ofen heizt nicht mit Kohle, sondern mit 12 Prozessoren (Foto: Svante Wellershoff)

Der dritte, mit 1.000 Euro dotierte Preis ging an Roswitha Maul. Ihr Werk „ServIn-Ofen“ ist eine drei Meter hohe Skulptur in Form eines historischen Kachelofens aus  grünem Kunstharz. Im Inneren verbirgt die Künstlerin 5 Server mit 12 Prozessoren, die durch ihre Tätigkeit soviel Abwärme abgeben, dass der Raum beheizt wird. Roswitha Maul verbindet die Ästhetik eines alten Ofens mit moderner Technik aus dem GreenIT-Bereich und thematisiert den Energieverbrauch in Rechenzentren. Auf ihrer Homepage lässt sich die aktuelle Temperatur ablesen, die immerhin zwischen 40 und 50°C liegt. Warm genug, dass sich Besucher an dem ungewöhnlichen Ofen ihre Hände wärmen konnten. Diese Idee ist nicht „nur“ auf Kunstobjekte beschränkt. Das Dresdner Startup Cloud&Heat heizt ebenfalls mit Serverabwärme Gebäude. Für Furore sorgte das Unternehmen bereits 2013, als es damals noch unter dem Namen Aoterra eine Million per Crowdfunding sammelte – damals ein Rekord in Deutschland!

 

Wenn die Sonne Stifte führt

Malte die Werke an der Wand je nach Sonnenintensität: Solarbetriebene Zeichner von Rolf Behringer und Alexandra Centmayer.

Malte die Werke an der Wand: der Solarbetriebene Zeichner von Rolf Behringer und Alexandra Centmayer. (Foto: Gerd Mittelberg)

Alexandra Centmayer und Rolf Behringer ließen für ihre Arbeit „Von der Sonne gezeichnet – From 8 to 6“ die Sonne zeichnen. Stündlich zeichnete ihr Solaranegetriebene Gerät, je nach Sonnenintensität, unterschiedliche Bilder. In der Ausstellung zeigen sie die elf Zeichnungen die dabei entstanden sind. Die Bilderserie dokumentiert auf ganze eigene Weise den 7. September 2014 und lässt Rückschlüsse auf die jeweilige Lichtintensität zum Zeitpunkt der Zeichnung schließen. Auf dem ersten und letzten Bild sind daher nur vier schwarze Punkte erkennbar, da die Sonneneinstrahlung zu schwach war, um das vierfüßige Zeichengerät über das Papier zu bewegen. Bei den anderen Bilder hingegen malte das solarbetriebene Zeichengerät dynamische Strukturen. Centmayers und Behringers Arbeiten begeisterten die Besucher am Meisten und ließ sie den Publikumspreis abstauben.

 

Erstaunlich ist auch die Videoinstallation von Wolfgang Aichner und Thomas Huber (GÆG). In einem Video sieht man, sie mit einem tragbaren Windrad durch Island wandern. Eine ganze Woche waren sie mit Windrädern auf dem Rücken unterwegs. Auf dem Video auf der gegenüber liegenden Seite schauen beide Künstler zwei Waschmaschinen beim Waschen zu. Die Maschinen liefen mit dem Strom, die sie mit Hilfe der tragbaren Windräder auf zwei kleine 1,2 Volt-Batterien speicherten. So zeigt GÆG auf ganz ungewöhnliche Weise wie aufwendig Energieerzeugung ist.

 

Ob es bald eine neuen Künstlerwettbewerb gibt ist noch unklar. Wer sich aber für die Kunstwerke der drei Gewinner und 19 ausgestellten Künstler interessiert, kann bald den Katalog der Ausstellung bestellen.

 

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