Leonardo DiCaprio kann mit seinen Klimawandelreden und Ökohotels nach Hause gehen, Emma Watson kann ihre Wunschrolle als Hollywoods Frauenbeauftragte aufgeben, Maisie Williams (Arya Stark) räumt die britische Politik auf (soweit man das mit einem sarkastischen YouTube-Video halt machen kann):

Die junge Schauspielerin wird volljährig, darf zum ersten Mal wählen und veröffentlicht dieses sarkastische Video – ein Rundumschlag gegen die britische Politik (inklusive einer recht ausführlichen Todesliste – ganz wie in GoT). Ich sehe mich nun nicht in der Lage zu klären, was Schauspieler und Schauspielerinnen veranlasst, plötzlich politische Reden zu schwingen (und das vor der UN). Gibt es geheime Bildungseinrichtungen in Hollywood, die wir nicht kennen? Schreibt DiCaprio eigentlich an den Sachstandsberichten des Weltklimarates IPCC mit? Ich weiß es nicht. Auch fällt es mir schwer einzuschätzen, ob es gut ist, wenn Schauspieler ihre Popularität nutzen, um Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die ansonsten untergehen, oder ob es nicht eher ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft ist.

Ich weiß allerdings, dass Williams im Vergleich zu Watson und DiCaprio sich angenehm selbst auf die Schippe nimmt (man achte auf diesen Brieföffner/Schwert im Video, den sie auch in der Serie besitzt). Aber warum die britischen Wahlen? Warum nicht die Wale in den Ozeanen stattdessen? Oder ein albernes Video für den Schutz von Pinguinen oder eine betroffene Rede über das Sterben von Flüchtenden an den EU-Außengrenzen? Irgendetwas scheint auf der Insel momentan im Argen zu sein.

Eigentlich könnte für den konservativen Premier alles ganz einfach sein: die Arbeitslosenrate ging zuletzt zurück, die Wirtschaft nahm an Fahrt auf wie das so schön heißt (mit wem und wohin steht auf einem anderen Blatt) und seine Partei (Tories) behauptete munter, das Staatsdefizit halbiert zu haben. Der Haken ist: sie messen das Staatsdefizit nur relativ zum Bruttoinlandsprodukt. Auch in absoluten Zahlen ist das Defizit gesunken, allerdings nur um ein Drittel. Doch es geht bei diesen britischen Wahlen am 7. Mai nicht nur um ein reguläres Battle zwischen der linken (naja) Labour-Partei und den konservativen Tories, die beiden Blöcke wurden ordentlich aufgemischt.

Seit einiger Zeit treibt die europafeindliche, einwandererfeindliche, allgemein recht feindlich gesinnte Partei „UK Independence Party“, kurz Ukip, ihr Unwesen. Dümpelte diese britische AfD 2010 noch bei 3%, waren es bei den Europawahlen im letzten Jahr bereits 28%. Der Weg in das britische Unterhaus ist allerdings für neue Parteien etwas schwer – er geht nämlich einzig allein über ihren Wahlkreis. Ukip-Wählende finden sich meist eher in strukturschwächeren Regionen, doch gibt es zusätzlich sowohl Überläufer aus den Reihen der Tories, als auch aus dem Pool der Labour-Stammwählenden. Meinungsforscher schätzen nun, dass das kommende Ukip-Wahlergebnis bei etwa 20% liegen wird.

Wie kommt das?

Das Bild der britischen, emotionalen Freiheitsliebe wird in ebenso bunten Farben gemalt wie das der vermeintlich unmenschlichen und unzähmbaren Bürokratie aus Brüssel. Die Ukip vermochte es auf dieser Basis erfolgreich die Europafrage auf der Insel aktuell zu halten. Und ihre Position wird von weiten (gemäßigteren) Teilen der britischen Gesellschaft mitgetragen. Ob die Tories auf die europafeindliche Stimmung reagierten, oder sie anfachten, lässt sich nun streiten. Fest steht, dass sie für 2017 ein Referendum für die EU-Frage (Should I stay or should I go) angesetzt haben. Gewinnen sie die Wahl, wird dieses Referendum definitiv stattfinden – mit unabsehbaren Ausgang.

Es wird also um einiges gehen am 7. Mai in Großbritannien. Es gibt neue/neualte Parteien – auch die Grünen (natürlich v.a. in der Hippihochburg Brighton) und Liberalen regen sich – und nicht allzu neue, aber große Fragen zu Europa.

Wir dürfen gespannt sein – nicht (nur) auf die neue Staffel der Serie.

 

PS: Wer Williams nun für nichts als einen Mini-Politclown hält, sollte mal den Ukip-Parteivorsitzenden Nigel Farage googeln…