Die Gäste sitzen gespannt auf den Teppichen und dem Sofa. Ana Patan schaut mindestens genauso gespannt in das Publikum. Ihr begleitender Bassist Omeye schaut wiederum gespannt Ana an. Die Saiten von Anas geliebter, weißen E-Gitarre waren sowieso gespannt. Das Konzert begann und überzeugte. Eine Kostprobe davon gibt es hier und im Anschluss ein Interview mit der Singer-Songwriterin.

 

Schön, dass du einen Moment hast, Ana. Wie fandest du das Konzert, was denkst du sind die Vor- und Nachteile von Wohnzimmerkonzerten?
Ach, es war einfach toll, ich habe so viel direkte Energie von allen hier bekommen, alles was ich machen musste war nur, sie zurück zu richten! Das Beste an solchen Begegnungen ist das Interesse und die Unmittelbarkeit, so gibt es eine sehr ehrliche Kommunikation in beide Richtungen. Es gibt keinen Raum für “show” oder “fake”, es gibt nur die Musik in ihrer reinster Form, nicht als Ware, sondern als Seelenverbinder. Nachteile? So werde ich mir nicht so bald einen Palazzo am Grand Canal in Venedig kaufen! (lacht)

Was sind denn deine bisherigen Bühnenerfahrungen? Würdest du intime Konzerte ansonsten auch in Cafés und Bars suchen, oder hört da das Publikum weniger zu?
Als ich mit der Musikmacherei angefangen bin, hatte ich gleich die Chance, auf großen Bühnen zu spielen. Ich habe ein nationales Festival in Rumänien gewonnen und plötzlich trat ich in riesigen Hallen, Open Airs, Radio und TV auf. So komisch das auch klingen mag, das hat meine persönliche und musikalische Reise ein bisschen beeinträchtigt. Durch den blitzschnellen Erfolg überspringt man wichtige Lektionen über existentielle Lebenswerte. Ich probiere, alles nochmal in kleinen Schritten durchzugehen, um meine Rolle als Musikdiener zu erfassen, und alles zu erleben, was ich vielleicht verpasst habe. Ich weise zur Zeit keine musikalischen Erfahrungen ab, besonderes wenn das Publikum nicht nur eine dunkle, unidentifizierte Masse ist, sondern sichtbare Gesichter und Gefühle hat. Es ist schwieriger, aber schöner.

Seit wann spielst du eigentlich? Vorhin hast du erwähnt, dass du aus gesundheitlichen Gründen eine Pause machen musstest und nicht klar war, ob du weiter spielen könntest. Wenn du nicht mehr Gitarre spielen hättest können, hättest du dich dann auf das Singen konzentriert oder Maultrommel gelernt?
Ich habe praktisch als Kind angefangen, als mein Bruder mir ein paar Akkorde auf der Gitarre gezeigt hat, und es so viel Spaß machte, kleine Lieder für die Kids in der Nachbarschaft zu entwerfen. Professionell trete ich etwa seit meinem 19. Lebensjahr auf. Vor ein paar Tagen bin ich ja wieder 19 geworden – zum 19. mal! (lacht), also es sieht für mich so aus, als ob 19 die Zahl der Woche wäre… Vielleicht sollte ich damit mal beim Lotto tippen!

Ja, diese Sehnenentzündung meines linken (gitarrenspielendem) Handgelenk war eine sehr deprimierende, aber gleichzeitig auch eine aufklärende Erfahrung. Ich musste sehr ehrlich in mich sehen, ob ich etwas anderes machen kann oder will außer Musik. Das deutliche NEIN dazu hat mein Leben viel einfacher gemacht. Ich habe meine Ideen auf Klavier transponiert und weiter Musik geschrieben, bis es nach einem Jahr glücklicherweise wieder besser wurde und ich zurück auf die Gitarre umsteigen konnte.

Spielst du normalerweise alleine? Woher kennst du Omeye?
Ich kann alleine auftreten, es macht aber natürlich mehr Spaß, mit anderen zusammen zu spielen. Omeye habe ich online kennengelernt, glaube ich, er hat dann eines meiner Konzerte besucht, und irgendwann danach haben wir die Chance gehabt, zusammen zu jammen, was uns beiden sehr gut gefiel- Hier sind wir heute in unserem ersten Konzert zusammen! Ich finde es einfach bewundernswert, wie schnell und problemlos er so viele Lieder rüberbringen konnte, die überhaupt nicht so einfach zu spielen sind.

Wie kommst du auf deine Songtexte? Du meintest, dass du gern über alltägliche Themen schreibst und nicht nur über Liebe. Aber wann ist bei dir die Schwelle einen Song über eine Situation zu schreiben überschritten?
Keine Ahnung. Ich probiere, keine Fragen zu stellen, und keine Erklärungen zu finden woher diese Lieder kommen und wie sie entstehen. Sie kommen, meistens im Ganzen zusammen gebaut, einfach wann sie wollen, über was auch immer sie wollen, genau wie die Träume in unserem Schlaf. Manchmal kommen sie überhaupt nicht, und ich akzeptiere das auch gerne. Ich zwinge und beeinflusse es nicht, weil ich dann diesen ultrasensiblen “Kommunikationskanal” blockiere.

Warum singst du eigentlich so selten in deiner Muttersprache Rumänisch? Fällt es dir leichter, dich auf Englisch, statt auf Deutsch auszudrücken?
Es ist nicht höflich, sich auf einer Sprache zu unterhalten, die die anderen um dich herum nicht verstehen, oder? Englisch ist einfach mehr beteiligend. Klingt auch besser – zumindest auf meiner Art Musik. Die simple Grammatik ist auch wichtig für Songwriter, sonst wären wir doch Poeten! Habe übrigens auch Lieder auf Deutsch geschrieben. Nur so, um zu sehen, ob ich es kann. Da bin ich mir noch unsicher…(lacht)

Eichhörnchen, Mistkäfer oder Goldfisch?
Mistkäfer

Alles klar! Dann vielen Dank und bis zum nächsten Mal!