Wenn Du noch nicht glücklich bist, hast Du noch nicht das Richtige gekauft!

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Kann man Individualität kaufen? Warum sind wir so alleine? Wo neu denken und wie? Ab wo und mit wem? Oder besser alleine? Kennen wir uns? Liegt die aktuell beste Leistung der heutigen weiblichen Studenten-Jugend darin eine möglichst extravagant  kaschierte Essstörung zu generieren? Warum? Gibt es keine Richtung? Möglichkeiten? Jenseits von Kleidergrößen seine Wut zu äußern,  zu kanalisieren? Wirklich nicht? Wo sind die Alternativen und wer hält mich endlich dazu an sie zu suchen? Oder führt mich hin? Oder kotzt mir Lösung am besten vor die Füße? Ich wisch auch auf.

Kann man ohne Marx` Kapitalismuskrititk gelesen zu haben überhaupt über unsere aktuelle Gesellschaftssituation nachdenken? Ist es voll peinlich nicht alles zu wissen? Ist es auch peinlich viel zu wissen? Und trotzdem nur zu repetieren? Sind Meinungszitate genug? Standpunkte machen angreifbar. Deshalb besser mal sagen: Weiß nicht – das muss jeder für sich entscheiden? Das ist Deine Sache, das müsst ihr unter euch ausmachen. Da halt ich mich raus. Ich hab genug eigene Probleme, mir geht’s auch voll schlecht, ich steh voll unter Stress, ich muss so viel machen. Ich geb in der U-Bahn nix, da wird man ja arm. Ich hab eigentlich kein Geld, aber ich musste mir diese Schuhe kaufen, das hab ich mir verdient. Achso, stimmt, man muss sich ja alles verdienen. Nix umsonst hier. Rechtfertigungen muss man schon haben.

Beim Nachdenken über die vielen Unzulänglichkeiten mit denen man als Mensch so auf die Welt kommt und über die Ungerechtigkeiten, denen man in allen Gesellschaften, aber speziell in unserer westlichen konfrontiert wird, wuchs in mir der Wunsch mehr flammende Plädoyers für eine grundlegende Veränderung der sozialen und kapitalen Zustände zu hören/ lesen. Obwohl ich selbst immer nie politisch war, weil ich dann im Endeffekt, doch nicht genug zu wissen glaube, um mich so klar zu positionieren. In mir selbst wallt eigentlich bei den meisten politischen Aufforderungen und feministischen Pauschalaussagen eine Antihaltung auf. Zu schnell werden diese Plädoyers dogmatisch und ich habe auch selten Lust mir die Wut anderer Menschen aufmerksam einzuverleiben. Dann wiederum erscheint es mir aber auch bitter nötig, dass es Menschen gibt, die genau solche sehr extremen und spezifischen Meinungen vertreten, denn ich ärgere mich dennoch auch über die Faulheit und das Desinteresse an jedwedem Eigeneinsatz der meisten Menschen, denen ich begegne… und über mein eigenes. Also habe ich ein solches Plädoyer verfasst. Als Experiment, als Versuch. Was steckt denn so an Engagement in mir und würde das irgendjemand zum Denken bewegen. Ich denke, ich habe gedacht.

Das ist der verdammte Talg, der die Eiterblase des Kapitalismus nährt. Keine klaren Meinungen, für Lust Gründe haben müssen, für Gier aber nicht, absolute Individualisierung, d.h. Isolation des ach so eigenen Individuums. Der krankhafte Relativismus, der sich aus der relativ heftigen Desillusionierung der Zeit ergibt. Jeder muss sterben – Du auch. Aber man kann sich wunderbar davon ablenken, so tun als wäre das Leben unendlich, das Ende immer fern. Den Verlust zu einem Teufel stilisieren, dem es lebenslang, also für immer, zu entkommen gilt. Das Leben in Vermeidungsstrategien dividieren. Und dabei gut aussehen. Zwischendrin mal kurz weinen über die Schlechtigkeit der Welt, die Ungerechtigkeit der Verteilung, sich bemühen eine feministische Haltung einzunehmen, weil da ist ja was im Argen.

Konsequenz versuchen, in irgend eine Richtung. Sich nicht von „denen“ verarschen lassen, niemandem vertrauen, ein bisschen höflich sein. Sollen wir uns unsere innere Richtung von außen injizieren lassen? Philosophie muss von unten erfolgen,  von da, wo alles anfängt. Von der Spitze eines Berges kann man leicht die Aussicht genießen und vergessen wie schwer es ist, da erst mal hoch zu klettern. Eine allgemein verständlicher und argumentativ gerechtfertigter Denkansatz ist wichtig; es tut gut eine Meinung zu haben. Aber das heißt nicht, dass man eine Philosophie des „common sense“ konzipieren muss, ein Denken, dass „alle anderen“ akzeptieren. Fetischismus haftet unserm Alltag an. Fetischismus der Dinge, der oberflächlichen Aussagen und sozialen Konstrukte. Diesen Fetischismus dürfen wir nicht als unantastbar gelten lassen.

Wozu das alles? Warum? Was hat das für einen Sinn? Das macht mich doch jetzt auch nicht glücklicher, wenn ich noch mehr Energie da reinstecke was zu verändern. Und was überhaupt? Was soll ich nur tun? Wo soll ich anfangen? Ich komm ja nicht mal mit mir selbst klar.

Und genau da ist anzufangen.

Der Antrieb etwas zu verbessern, zu verändern, ein unmaterielles Ziel in sich und für sich zu haben, ist selbst das eigentlich empfundene Glück. Nicht so sehr die eventuellen Ereignisse der Zukunft, auf die zu schauen es sich dennoch lohnt. Aber im `Antrieb haben` liegt der Überlebenswille, der sich in der modernen westlichen Welt auf die Erfüllung großer geistiger und vor allem kapitalistischer Aufgaben verlagert hat, weil die körperlichen Grundbedürfnisse so ohne Weiteres erfüllt scheinen.

Aber ich denke auch, dass die große Verbreitung von Depression unter den Menschen  der industrialisierten und hochwirtschaftlichen Welt ein Symptom der Desillusion ist, die dem modernen Menschen schon früh die Erkenntnis bringt, dass es keinen Gott und letztlich keinen höheren Sinn des eigenen Lebens, als das Leben selbst, gibt; dass dieses Leben begrenzt und nach dem eigenen Tod schnell vergessen ist.  Allenfalls ist der Antrieb sich seine Welt zu verbessern also noch, sie für die eigenen Kinder gut zu erhalten, um diesen wiederum ein leichtes und erfülltes Leben zu sichern. Der Wunsch der Selbstverewigung auf der Erde hat also für den Einzelnen nur den Sinn, sein eigenes Leben mit scheinbar auf ein höheres Ziel gerichteten Taten zu füllen.

Trotz dieser ernüchternden Lage des Einzelnen, kann niemand in einer Außenperspektive sein Leben leben oder steuern. So sinnlos alles erscheinen mag, in jedem Moment der Existenz muss man fühlen, auch wenn man nichts fühlt. Und den Sinn muss man sich selbst geben. Es ist intensiver und mit mehr guten Gefühlen verbunden, etwas zu tun, zu denken. Wer kann schon wissen, was dieses Können in jedem Menschen bewirken kann.

Selber denken ist ja leicht gesagt, ich hol mir meine Meinungen von dem typ aus dem BWL-Seminar, der im Café neben mir flammend den Marxismus verteidigt und ein_e Andere_r vielleicht von seiner Oma, die einem einprägt, sich nichts gefallen zu lassen. Wieder andere lassen sich, und das ist nun mal so, von medial vermittelten Idealen gefangen nehmen und fühlen, wenn sie auch im Kopf dagegen denken, dass dünn und pickellos durchs Leben zu gehen, das Wichtigste überhaupt ist und, dass es sich lohnt reich zu heiraten, weil man dann einen Swimmingpool im Garten haben kann.

Vorgedachten Mustern erliegen alle Menschen, es ist unvermeidbar sich an schon Gedachtem zu orientieren. Herausdenken ist das, was man lernen muss. Gegenwehr! Raus da. Nicht alles Schlucken. Es ist viel Kotzen nötig, um leer genug für eigenes Denken zu sein. Unter welchen gesellschaftlichen Verhältnissen denkt man, mit welchen Mitteln, in welchem historischen Kontext? „Denken durchs Nadelöhr  der Tätigkeiten im Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (Philosophieren mit Brecht und Gramsci, Hamburg 1996). Wir sind ja so reflektiert über unsere kapitalistischen Verhältnisse, die kommerziell verseuchte Musiklandschaft, die ausbeuterischen Verhältnisse der Großunternehmen und kleinen Gastros. Und es gibt auch Leute, die sich wehren –  z.B. auch gegen Hundescheiße – sogar mit Demonstrationen. Aber die allgemeine Beschissenheit der aufoktroyierten Meinungswelt der lebenden Menschen, lässt sich nicht durch rebellische Facebookprofilbild-Aktionen eliminieren.

Das allgemeine, von der Zeit verschlissene Gedankengut, das in den kommenden und gehenden Köpfen dieser Welt umher wabert, hat sich verselbstständigt; es ist lau und matschig und undefiniert geworden, zu einer Knetmasse verkommen, die sich zu leicht biegen lässt. Auch wenn das Leben schwer ist und hart und ungerecht, jeder der diese Worte lesen kann, hat Internet. Jeder dieser Menschen kann lesen, schließen, handeln, aufstehen. „Wesentliches Denken ist (auch) Handeln“(Heidegger). In einer gemeinsamen Welt leben, die zusammen als eben diese, eine gemeinsame, begriffen werden kann. In der wir uns der Wahrheiten, die wir durch unser Tun erschaffen, bewusst sind. Das sollte dabei herauskommen, wenn wenigstens unsere Generation anfängt zu denken.

Die maroden Strukturen der Deutschen Politik müssen überholt werden, eben damit dieses Gefühl nicht in den Menschen bleiben muss. Alleine sein, eh nichts ausrichten können. Ja, aber warum soll ich mich bemühen? Das ist mir irgendwie zu anstrengend, das hat nichts mit mir zu tun. Ja, vielleicht nicht. Du hast diese Regierung nicht gewählt? Du hast nichts mit Politik am Hut? Das nervt alles sau? Genug damit beschäftigt irgendwie die vermeintliche eigene Zukunft zu sichern? In welcher Welt willst Du leben? Diese frage mag pathetisch und ausgelutscht klingen. Aber es ist an der Zeit, dass Menschen wieder den Mut aufbringen, sich etwas zu wünschen und daraus Ideen werden lassen, daraus Versuche werden lassen. Es ist an der zeit verdammt nochmal dazu zu stehen, was man will, was man sich wünscht und sich nicht zu cool für jede Gefühlsregung zu sein.

Es gibt keinen Selbstlauf einer sozial annehmbaren Struktur. Diese Strukturen leben von den Menschen, die sie bilden. Und die gesellschaftlichen Umstände unter denen wir leben sind unehrlich, von krankhaften Idealen der Leistung und Schönheit geprägt, an die trotzdem die wenigsten glauben. Keiner will das so. Aber es ist trotzdem so! Und man muss kein linker Veganer mit Gesichtsmaske auf einer Anti-Nazi-Demo sein, um daran etwas ändern zu wollen und zu können. Egal wo wir heute sind. Am eigenen Arm entlang schauen und da ist etwas, das es sich zu ändern lohnt. Eine glückliche Gesellschaft kann doch nur entstehen, wenn die Menschen, die in ihr leben, etwas dafür tun, glücklich zu sein. Und das heißt, dass sie endlich wieder lernen müssen wie das geht. Und nicht Leben leben, die vom Idealbild einer finanziellen Unabhängigkeit geprägt sind, die subjektiv 0,1 Prozent der gesamten Menschheit je erreichen und die einem keine Zufriedenheit erkaufen kann.

Was macht mich zufrieden, womit fühle ich mich gut und was in meinem direkten Umfeld, was in mir kann ich ändern, damit ich dieses Gute erreiche? Wahrheiten bewähren sich dadurch, dass sich Möglichkeiten des Handelns eröffnen. Einen Weg auftun, eine Tür hinter sich schließen, wo neue Zimmer begangen werden möchten. Immer, wenn sich wirklich etwas geändert hat in der Geschichte aller Gesellschaften, waren Menschen selbst aktiv geworden. Und es ist schwer nicht in einen Dogmatismus zu verfallen, der eingeschränkt macht. Aber nicht dogmatisch sein, heißt nicht, radikales Denken zu relativieren. Heraustreten aus Ideologie und Fetischismus, aus Sucht und Eitelkeit, aus Faulheit und aus falscher Bequemlichkeit, um handlungsfähig zu werden. Wir müssen allgemeine Gesichtspunkte für eine sinnvolle Lebensführung entwickeln. Und das Sinnvolle ist natürlich für jeden Einzelnen nur in der Begrenztheit seiner eigenen Lebenszeit gegeben.

Aber der Grund warum es sich, denke ich, für Menschen lohnt, sich um eine Verbesserung der Welt allgemein und ihrer Lebenswelt im Speziellen zu bemühen, ist die momentane Zufriedenheit, die sich bei der Aussicht auf eine bessere und verbesserte Zukunft einstellt.

Und auch für abstraktere Strukturen, die einen umgeben und wenig anzugehen scheinen, lohnt es sich zu denken.

Lasst die Politik nicht Politik sein! Geht gegen die zuständigen Organe und ihre legitimen Entscheidungen vor! Und zwar in Euch! Denn nur da kann Änderung herkommen. Alles was  unantastbar institutionalisiert und etabliert scheint, darf so nicht bleiben!  Kulturelle Tätigkeit sollte nicht länger getrennt sein von Erwerbstätigkeit und Umsorgung der eigenen Familie. Schulfächer sollten zusammenhängen und sich ergänzen. Es lässt sich keine Kindergartendebatte getrennt von einer feministisch orientierten Debatte denken. Das hat keinen konstruktiven Sinn. Und es gilt auch nicht immer, dass nur die belesenen und studierten die beste und differenzierteste Meinung haben. Intuition dar in gesellschaftlichen Debatten nicht länger ausgeschlossen bleiben. Sie darf nur nicht die sozial plausible Argumentation nicht vollkommen außer Acht lassen. Wir können nicht Denken, in dem wir uns nur auf Autoren der Vergangenheit beziehen. Wir müssen das Risiko eingehen uns auf die gegenwärtigen Lagen und auf gegenwärtige Denker zu beziehen.

Es soll nicht die Vergangenheit vergessen werden. Aber es muss von jetzt auf das Jetzt geschaut werden. Die Geschichte hat nicht aufgehört, weil wir gerade erst geboren wurden. Wendet Eure Wut auf konkrete Fragen der Gegenwart an, lasst Euch nicht hinreißen Probleme dogmatisch auf Herrschaftsstrukturen und Herrscher allgemein zu projizieren. Wer philosophiert, der soll nicht überreden, sondern zeigen und zu denken geben (Berthold brecht). Man muss sich auch nicht selbst als Denker oder Wissender sehen, um mitreden zu dürfen. Gerade das ist ja so wichtig: nicht das Tun und Entscheiden, den angeblichen dafür qualifizierten überlassen, sondern sich mit persönlichen Wünschen einmischen… und das fängt bei familiären Strukturen an. Wie schaffen wir Politiken, die sich auf spezielle Herrschaftskonstruktionen stützen und erliegen ihnen gegenüber zu oft und in zu großer Menge einem Ohnmachtsgefühl.

Die Strukturen, die uns übermächtig scheinen, sind die, die es zu hinterfragen, zu bewegen, zu durchdringen und zu verändern gilt. Denn, wenn der Einzelne fühlt, er könne nichts ausrichten, dann ist das keine Demokratie und keine Gesellschaft, die dem einzelnen Menschen, also Dir und mir, gut tut.

Versteinerte Strukturen. Wie kann man diese erschüttern?

 

Das Titelbild stammt von der Autorin.