Es gab in diesem Jahr (gefühlt) unzählige Streiks. Die Kindergärtner streikten und planen neue Arbeitsniederlegungen, die Postmitarbeitenden waren dabei und das Bahnpersonal streikte gleich mehrmals – und das mit verschiedenen Gewerkschaften, die um die Vormacht rangen. Oft wurde von einer „Streikrepublik Deutschland“ gesprochen. Ein Kunstwort, das Unwort des Jahres werden sollte (gäbe es nicht so viel Konkurrenz). Die Zahlen belegen schließlich eindeutig, dass in anderen europäischen Staaten weitaus mehr gestreikt (und teilweise verdient) wird.

infografik_2000_Durchschnittlich_pro_Jahr_durch_Streik_ausgefallene_Arbeitstage_n

Aber neben der Streikrepublik-Rhetorik, gehen viele streikkritische Kommentare in die Richtung „die verdienen ja schon mehr als genug“. Gemeint sind damit oftmals Fluglotsen, aber auch Lokführer. KaufDA (ein Portal der Bonial International GmbH), über dessen eindrucksvolle Echtzeit-Infografiken wir bereits berichteten, produzierte zum Thema Einkommensverhältnisse eine interessante Infografik:

Auch diese Infografik läuft wieder in Echtzeit ab und zeigt in welchem Maße exemplarisch aufgelistete Berufsgruppen Geld verdienen. Da es etwas öde wäre den Verdienst pro Sekunde/Minute/Stunde zu vergleichen, zeigt die Infografik auch wie lange es für die jeweilige Berufsgruppe (oder Person) dauern würde, ein Paar Sneaker oder ein Haus zu kaufen . Auch Lokführer sind unter anderem gelistet. Deren „guter Verdienst“, von denen manche in der Streikzeit berichteten, lässt sich so ganz gut in Beziehung zu anderen Berufsgruppen setzen.

Zusätzlich kann man sein eigenes Jahresgehalt eingeben, was natürlich, wenn man Studierender oder Auszubildender ist, leicht schockieren könnte. Aber für Komplexe gibt es keinen Anlass (vor allem wenn man noch keiner Lohnarbeit nachgeht). Zum einen steigen materielle Bedürfnisse oft mit dem Einkommen, was zu dem Paradox führt, dass sich Menschen in der Mittelschicht finanziell genauso flexibel fühlen, wie Menschen die mit weniger Geld auskommen müssen. Dazu kommt, dass das subjektive Glücksempfinden (sofern man dieses als Lebensziel ansieht) nur bis zu einer bestimmten Höhe mit dem Durchschnittseinkommen korreliert.

Jedoch ist das Allerwichtigste die globale Perspektive, um eine realistische Einschätzung des eigenen Reichtums zu erhalten. Hierbei hilft die Global Rich List, durch die sich herausfinden lässt, welche Position man auf der Liste der reichsten Menschen der Welt mit seinem eigenen Jahreseinkommen im Ranking belegt. Trotz dieses globalen Vergleichs, der herrlich erdend wirkt, ist das natürlich kein Grund die zunehmende Einkommensungleichverteilung im eigenen Land einfach so hinzunehmen.

2Bil3dschirmfoto vom 2015-09-02 23:38:03Die neue Echtzeitgrafik von kaufDA ist aber auch ideal, um zu erkennen warum Erzieher mit ihrem Gehalt unzufrieden sind und in den letzten Monaten in vielen Städten Deutschlands streik(t)en. Und im Gegensatz zu Arbeitenden in den zerklüfteten Gebieten der selbstausbeutenden Halbselbstständigkeit und kleinen Dienstleistungen, sind die Erziehenden immerhin größtenteils gewerkschaftlich organisiert und können streiken.

Aber da ist noch etwas anderes, das mir mit der Echtzeitgrafik noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt wurde: Die Geldsummen im Profifußball sind wirklich nicht mehr zu erklären.