Wenn sich das Tageslicht schon nachmittags verabschiedet, meine Füße zu Eisklumpen werden und ich mit müden Augen auf meinen Laptop-Bildschirm glotze, kann ich meistens nur noch an das Eine denken. Essen. Was würde ich nur geben für ein Stück Kuchen, eine Tüte Chips oder einfach nur einen Pott Nudeln.

Wer solche Symptome an sich feststellt, sollte sich vielleicht fragen, ob das eine leichte Winterdepression sein könnte. Anlass zur Panik ist das aber definitiv nicht – der verdammten Apotheken-Umschau sollte man lieber kein Wort glauben. Meine tausendmal erprobte Selbstmedikation wirkt nicht nur, sondern ist auch idiotensicher: Mit ein paar Snacks ins Bett legen und Seelentröstermusik anmachen. Und was eignet sich dafür besser als Jazz?

Jazz und Hedonismus gehören zusammen wie Brot und Butter. Drogenvernebelt haben sich die Größen des Jazz anscheinend hauptsächlich für zwei Dinge interessiert: Liebe und Essen. Die folgenden fünf Songs sind die ideale Begleitung für einen winterlichen Fressflash, ohne dass man sich allzu schäbig dabei fühlt.

 

Doris Day – A Chocolate Sundae on a Saturday Night

„A chocolate sundae on a saturday night / What a way to make an evenin‘ end right.“

Recht hat sie. Eis geht immer. Erst recht Schokolade. Aber wenn man etwas genauer hinhört, dann gibt es da einen ziemlich offensichtlichen Unterton. Das Date nach Kino und (!) Tanzen mit einem schnöden Eisbecher enden lassen? I doubt it. Es ist ja wohl klar, dass hier etwas ganz anderes vernascht werden soll, noch dazu in einer „corner where we’ll never be seen“…

 

Nat King Cole – Frim Fram Sauce

„I want the frim fram sauce with the oss’n’fay with shafafa on the side.“

Bitte was? Das Gericht, das Nat King Cole hier bestellen will und dafür solche Köstlichkeiten wie Pommes, Kuchen und Bacon verschmäht, ist reine Phantasie. Wozu das Ganze? Er hat wahrscheinlich keine Kohle und wollte nur ein bisschen im Restaurant sitzen und ein Glas Wasser abstauben: „If you don’t have it, just bring me a check for the water!“ Ja klar…

 

Fats Waller – Hold Tight

„I want some seafood mama / Shrimps and rice they’re very nice.“

Thomas Wright „Fats“ Waller gehört definitiv zu den Foodies unter den Jazzern – sein Spitzname kommt schließlich nicht von ungefähr. Außer dieser Ode an Meeresfrüchte hat er u.a. eine Serenade an ein Rump Steak komponiert und schimpft in einem anderen Song über All That Meat And No Potatoes.

 

Louis Prima – Banana Split For My Baby

„Spread the whip cream for at least an hour / Pile it as high as the Eifel Tower / Load it with nuts, about 16 tons / Top it with a pizza just for fun.“

Der langweilige Kram, den man in deutschen Eisdielen vorgesetzt bekommt, hat so gut wie nichts mit dem Banana Split zu tun, wie er vor über hundert Jahren in den USA erfunden wurde. Von wegen Banane, ein paar öde Kugeln Vanilleeis, Sahne und fertig ist das Ding. Was Louis Prima in Banana Split For My Baby schildert, kommt der Originalvariante – so absurd es auch klingt – wesentlich näher: Ohne Erdbeer- und Schokoladeneis, verschiedene Sorten von Saucen und Sirup, Maraschinokirschen, Streusel, Nusssplitter… geht gar nichts. Verstanden?

 

Cab Calloway – Everybody Eats When They Come To My House

„All of my friends are welcome / Don’t make me coax you, moax you / Eat the tables, the chairs, the napkins, who cares?“

Cab Calloway scheint ein dufter Typ zu sein, schließlich lädt er all seine Freunde zum Essen ein. Und nett wie er ist, bietet er ihnen genau diejenige Speise an, die sich mit dem Namen der Person reimt. Obwohl das ziemlich flacher Humor ist, muss man ihm verzeihen: Schließlich lässt er sich von der hungrigen Meute die gesamte Bude ausräumen.

Warnhinweis: Laut einer Studie der University of Arkansas sollte man aufpassen, welche Musik man zum Essen hört, denn sie kann beeinflussen, wie es einem schmeckt. Und Jazz soll das Essen schmackhafter machen, als es ist.

Wer also so verrückt ist, jetzt schon an seine Bikinifigur zu denken, hätte lieber einen Bogen um diesen Mixtape Monday machen sollen.
Wer aber von diesem leckeren Sound noch nicht genug hat, kann diese Spotify-Playlist auschecken, die außer den hier gelisteten noch über 20 weitere Jazz-Songs über Kulinarisches auftischt. Bon appétit!