Heute präsentiere ich euch 5 Lieder von völlig unterschiedlichen Interpreten. Denkt man. MF DOOM, the greatest mc that ever was and will be, hat mehr Alter Egos als Leonardo DiCaprio in Catch Me If You Can. Was DOOM (seine Freunde nennen ihn DOOM) so besonders macht, sind seine völlig bescheuerten Reime. Unter Aufgabe jeglicher Logik und Aussage, baut er waghalsige Reimgerüste auf, nur um sie im nächsten Vers wieder einzureißen. „A lot of crews like to act like a violent mob, they really just need to shut the fuck up like Silent Bob.“

Da MF DOOM und Bishop Nehru erst letzte Woche ihr vielbeachtetes Album „NehruvianDOOM“ veröffentlichten, spendiere ich euch am Ende sogar noch einen Bonustrack.

Betrachtet diesen Mixtape Monday als Tutorial, als Einstieg in das Oeuvre einer Mastermind, der Rettung des Hip Hop. Und sowas alles.

 

MADVILLAIN – ALL CAPS

It’s ugly like look at you it’s a damn shame. Just remember ALL CAPS when you spell the man name.

Madvillainy, von MF DOOM und Madlib 2004 unter dem Pseudonym „Madvillain“ veröffentlich, gilt bei Musiknerds und allen, die gerne welche wären, als eines des besten Alben des neuen Milleniums. Was das Album so erstaunlich macht? Die verspielten Beats – in All Caps klingt es so als würde man sich auf einen Morgenspaziergang durch Mohnblumenfelder machen – treffen auf DOOMs unverkennbare Art riesigen Quatsch zu erzählen. „All Caps“ ist der bekannteste Track des Albums und war meine erste Berührung mit DOOM. Danach konnte es kein Zurück mehr geben.

 

DE LA SOUL FEAT. MF DOOM – ROCK CO.KANE FLOW

He eat rappers like part of a complete breakfast / Your rhymes ain’t worth the weight of they cheap necklace

Natürlich ist sich DOOM nicht zu schade, auch kurz mal bei anderen Rappern seine Lines anzubieten. Hier bietet er dick an: Rock Co.Kane Flow ist mit Abstand mein liebster MF DOOM Track. Das liegt hier vor allem am perfekten Zusammenspiel der beiden Rapper und der Art wie sich der Beat immer kurz vor Übernahme des jeweils anderen MCs aufhängt und loopt. Gepaart mit dem Kinderchor wird ein richtiges Brett draus. Könnte ich Auto fahren, ihr hättet mich dieses Schmuckstück schon auf den Straßen Neuköllns pumpen hören.

 

VIKTOR VAUGHN FEAT. APANI B. – LET ME WATCH

Fresh as a mayflower, face like power / He had the green light, she asked him / „What’s the plan tonight? / Flavor of the night / Samsara and Fahrenheit

Während die übliche DOOM-Kost mit style over substance überzeugt, ist es bei diesem Feature umgekehrt. DOOM, hier unter seinem Alias Viktor Vaughn unterwegs, und Apani B. erzählen in abwechselnden Parts die Geschichte ihrer Beziehung, vom ersten Treffen bis zur Trennung. Von ewigen Telefonaten, Geborgenheit, Stress, Depression. Das wirkt sehr authentisch und gerade die unterschiedlichen Sichtweisen der männlichen und der weiblichen Rolle kommen gut zur Geltung. Natürlich wäre DOOM nicht DOOM, würde er den Song am Ende nicht ironisch brechen. Ganz großes Daumenkino und auf jedem Mixtape ein Knaller.

 

DANGERDOOM – SOFA KING

I am so fucking retarded

DangerDoom ist mein Lieblingsprojekt von MF DOOM. Liegt wohl daran, dass keiner mehr Rhythmus und Geschmack im Blut hat als DangerMouse, der schon SparkleHorse, CeeLo Green (Gnarls Barkley), James Mercer von den Shins (Broken Bells) und Portugal. The Man auf die Sprünge half. In Kollaboration mit dem Erwachsenen-Cartoon-Kanal Adult Swim, ist hier eine herrlich bescheuerte Mischung aus Cartoon-Samples, akustischen Beats und MF DOOMs verschwurbelten Lyrics entstanden. Wahrscheinlich entfaltet das Album erst seine volle Wirkung, wenn man auch die Cartoons von Adult Swim kennt. (Wo ist eigentlich der Rest von Korgoth geblieben?) Egal. „The Mouse and the Mask“ funktioniert auch so. Und Sofa King allemal.

 

JJ DOOM – WINTER BLUES

Melanin on melanin / Ask me where the hell I been soon as I felt her skin / Holdin‘ hands, feet in the sand, grounded / Starin‘ in them pretty brown eyes– astounded

Hier ein neuerer Track von MF DOOM. Die Kollaboration mit Musik Produzent Jneiro Jarel erschien 2012 und zeichnet sich vor allem durch die sehr experimentellen, verschrobenen Beats aus. Deshalb gibt es außer Winter Blues auf diesem Album meines Erachtens nichts zu holen. Dieser Track jedoch hat es in sich. In sanften DOOM-untypischen Worten, erzählt er uns vom ersehnten Zusammentreffen mit seiner Geliebten. Klingt cheesy? Nicht umsonst heißt der Track doppeldeutig Winter Blues. Hauptsächlich sehnt sich DOOM natürlich danach seine Winter Blue Balls loszuwerden. Und da dachte man gerade, der Mann hätte ein unironisches Lied gemacht. Schön ist es trotzdem. Und gerade der viel zu lange Endmonolog über unsere Abhängigkeit von Melanin macht den Song zu etwas besonderem.

 

BONUSTRACK: NEHRUVIANDOOM – OM

More funner than a clown with a gun / Run for the crumbs it’s the sound of the sun: OM

Die Kollaboration zwischen MF DOOM und Bishop Nehru sorgte in Fachkreisen für Aufsehen. Während MF DOOM, wie ihr jetzt wisst, schon seit geraumer Zeit unter den unterschiedlichsten Namen Musik macht, so ist Nehru das Greenhorn im Game. Der Junge ist 18 Jahre alt und wird, wie viele zuvor, als Rettung des Hip Hop, Wunderkind und was nicht alles gehandelt. Obschon die Instrumentierung des Albums den anderen Projekten DOOMS ähnelt (zum Glück!), mischt die Präsens Nehrus die Karten neu. Man merkt ihm seine Jugend an. Auch wenn hier nicht jeder Reim sitzt und nicht jedes Wortspiel funktioniert, macht es einen Heidenspass diesen beiden Rappern, die an so verschiedenen Punkten ihrer Karriere stehen, bei der Arbeit zuzuhören.

 

Das war der Mixtape Monday für diese Woche. Liebe und Hass wie immer in die Kommentare!