Den meisten sollte das Vereinigte Königreich ein Begriff sein. Das ist die Landmasse (und ein paar Inseln und ein bisschen von Irland) auf der anderen Seite des Ärmelkanals. „England“, wie man Axel-Springer-geografisch sagen würde. Aus politischer Sicht geht es dort seit Anfang des 20. Jahrhunderts beständig bergab.

Mit dem Ende des Empire musste man sich auf der Insel einen Ersatz für den sehr erfolgreichen Exportschlager „Kolonialismus“ ausdenken und kam schließlich auf Musik. Der Union Jack als Symbol von London Calling ging und geht um die Welt. Er erinnert daran, dass es noch andere Völker jenseits des Ärmelkanals gibt und auch die ihren Teil zur musikalischen Qualität Britanniens beitragen. Siehe Two Door Cinema Club (Nordirland) oder Franz Ferdinand (Schottland). Nicht nur auf dem Union Jack sondern auch im britischen Alltag fällt dabei ein Land ganz gerne mal unter den Tisch: Wales. Dabei hat das kymrische Völkchen von den westbritischen Hügeln durchaus was zu bieten.

Diese und 250 weitere Lieblingslieder der Redaktion findet Ihr auch in unserer Spotify-Playlist.

 

Catfish and the Bottlemen – Cocoon

„And I thought maybe you’d stay and try to out-drink me“

Beginnen wir unseren Wales-Trip im Norden mit der momentan vermutlich bekanntesten Band. Mit zig Millionen Plays auf Spotify sind Catfish and the Bottlemen seit ihrem Album The Balcony heißer Scheiß. Was ich persönlich an Wales ja super finde, sind die Sprache und die walisischen Städtenamen: Llanfair­pwllgwyngyll­gogery­chwyrn­drobwll­llan­tysilio­gogo­goch etwa. Als hätte man seinen Kopf auf der Tastatur gewälzt. Personalausweis-Gore vom Feinsten.
 

Cate Le Bon – Are You With Me Now

„It’s not unusual, baby, to feel the shadows and cry“

Zweite Station ist Westwales. Das liegt eigentlich im Süden. Aber hey, als Deutscher darf man sich, was geografische Bezeichnungen angeht, nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen (hüstel „Mitteldeutschland“ hüstel). Cate Le Bon kommt aus besagtem Westwales in Südwales, lebt allerdings mittlerweile im einwandfrei geografisch zuordungsbaren Los Angeles. Sie klingt immer ein bisschen traurig. Vielleicht vermisst sie die drei Millionen Waliser – oder die neun Millionen walisischen Schafe.
 

Gorky’s Zygotic Mynci – Spanish Dance Troupe

„Dear teacher, I’ve been six years away and ain’t finished my essay ‚cause rock’n’roll rules, OK?“

Bleiben wir in West-Süd-Südwestwales und kommen zu einem echten Geheimtipp. In den Wirren des 90er-Jahre-Britpop hatten Gorky’s Zygotic Mynci ihre erfolgreichste Zeit. „Mynci“ spricht man übrigens wie „Monkey“ aus. Wiederkehrendes Element der walisischen Musik ist das Weglaufen. Der Waliser schließt sich lieber einer spanischen Tanztruppe an, und verbringt die Zeit mit Wein und Musik, als im regnerischen Wales zu bleiben. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht, wenn ich so darüber nachdenke.

 

Super Furry Animals –  Golden Retriever

„You need protection from every direction“

Die Super Furry Animals waren in den 1990er- und 2000er-Jahren zumindest in UK einigermaßen erfolgreich und waren für mein 14-jähriges Ich eine musikalische Erleuchtung. Der Sänger ist übrigens ein gewisser Gruff Rhys. Mit den Furries sind wir in Cardiff angekommen, der walisischen Hauptstadt. Wofür braucht ein Land wie Wales eine Hauptstadt? Keine Ahnung. Das Saarland hat ja immerhin auch eine.  Mit Mwng haben SFA übrigens auch mal ein Album komplett in walisisch aufgenommen. Und ja, Mwng ist wirklich ein Wort und bedeutet ‚Mähne‘.

 

Stereophonics – A Thousand Trees

„It started with a school girl, who was running home to her mom and dad“

Zugegebenermaßen sind die Stereophonics vielleicht nicht die kreativste Band in dieser Auflistung. Noch zugegebenerermaßen hat das Quartett in diesem Jahrtausend noch nichts berauschendes abgeliefert. Ende der 90er allerdings, waren die Stereophonics Teil einer Welle aufregender, unkonventioneller Rockmusik aus Wales. Wie die Super Furry Animals oder Gorky’s Zygotic Mynci haben sie den Grundstein gelegt, für Musiker à la Cate Le Bon und Catfish and the Bottlemen, und sich so durchaus auch einen Platz in diesem Mixtape verdient. A Thousand Trees handelt übrigens von einem Sportlehrer, dem das sexuelle Verhältnis zu einer Schülerin zum Verhängnis wird. Auch mal ’ne nette Abwechslung zum schnöden Liebes-Gedöns.

 

Bonus

Natürlich kann man bei walisischen Musikern nicht den walisischen Künstler schlechthin auslassen.