„So you got any other cars?“

„No. Just that one.“

„What’s the engine?“

„It’s….eh….four cylinder?“

„Yeah, but what size?“

„Oh I don’t really know.“

„What’s your brother drive?“

„Ross?“

„Yeah. What does…what does he drive?“

„Ross has a Kia Rondo and Marcy has a Nissan Pathfinder. She carts the kids around a lot.“

„So you all got Jap‘-cars?“

„Actually Kia is Korean.“

Nebraska ist ein wenig wie Little Miss Sunshine in schwarz/weiß: Eine Familie begibt sich auf einen Roadtrip dessen Ziel die Teilnahme an einem Wettbewerb ohne wirkliche Erfolgsaussichten ist. Sind sich die unterschiedlichen Familienmitglieder anfangs noch spinnefeind bzw. halten sich gegenseitig für völlig bescheuert, so lernen sie einander auf der Reise besser kennen und stehen schließlich füreinander ein. Im Mittelpunkt steht dabei mal wieder eine Vater-Sohn-Beziehung.

Woody Grant (Bruce Dern) erhält eines Tages einen Brief. Er habe eine Millionen Dollar gewonnen. Nun müsste er einfach ein Formular ausfüllen und nach Lincoln, Nebraska schicken, dann würde er sein Geld erhalten. Da der alte Tattergreis dem Konzept „Post“ aber natürlich nicht traut, beschließt er, sich selbst auf den Weg zu machen und seine Million abzuholen. Der Film beginnt damit, dass ein Streifenpolizist den Armen irgendwo alleine auf der Interstate aufgabelt. Woody kann nämlich nicht mehr Autofahren.

Sowieso ist Woody selten wirklich anwesend. Außer seiner Millionen Dollar hat er keine anderen Interessen. Hier kommt David, der eigentliche Hauptcharakter unserer Handlung ins Spiel. Dessen Darsteller (Will Forte) kennen wir schon als komischen Reinigungsangestellten/Schauspieler aus Flight of the Conchords und als Randy aus How I Met Your Mother. Da der auch keine Böcke auf sein vergammeltes Loserleben als Ansprechpartner der Hifi-Abteilung im Elektrofachhandel hat, beschließt er kurzerhand seinen bekloppten Vater zum Büro der Lotterie zu fahren. Nach Nebraska.

So entspinnt sich ein Roadmovie, wie wir es kennen und lieben. Vor allem die Darstellung von Dannys hinterwäldlerischer Familie und seiner übertoughen Mutter, die sich von nichts und niemandem den Mund verbieten lässt („Usually a person has to die before the vultures come circling.“) und mich damit ein klein wenig an meine eigene Oma erinnert hat, haben mir sehr gefallen. Außerdem spielt der gute alte Bob „Better Call Saul“ Odenkirk mit, der einfach in jeder Role brilliert, in der ich ihn bis jetzt erleben durfte.

Außer der Reproduktion eines gewissen Ortes zu einer gewissen Zeit, stellt Nebraska auch unterschwellig einige interessante Fragen ohne sie wirklich zu beantworten. Wieso scheint sich jeder über Woodys Gewinn zu freuen? Wollen alle ein Stück von Kuchen oder fühlen sie sich nur wie ein Teil von etwas großem? War früher alles besser, schlechter oder genau gleich? Inwieweit ähneln wir unseren Eltern? Muss eine Reise einen Zweck erfüllen? Wieso können wir nicht mit, aber auch nicht ohne unsere Verwandten leben?

Nebenbei leiert sich der Film dann natürlich noch den typischen Little-Miss-Sunshine-Wir-machen-etwas-total-dummes-aber-es-muss-sein-und-alle-ziehen-an-einem-Strang-Moment und die obligatorische unemotionale Karaokeszene („Time after Time“ und „In the Ghetto“) aus dem Ärmel. Die Leier mag alt sein, aber sie klingt immer noch angenehm.

Wieso der Film schwarz/weiß ist? Das fragt man sich hier genauso wie bei Frances Ha, Oh Boy, dem weißen Band und auch dem ein oder anderen Indie-Musikvideo der letzten Zeit. Die Farblosigkeit (Schwarz und Weiß sind Nichtfarben meinte meine Kunstlehrerin damals immer) lässt einen Film in meiner Auffasung schwerer, ernster und trostloser wirken. Und gerade die heutige Kombination aus Widescreen-HD und schwarz/weiß veranlasst einen sich eher auf Details in den Gesichtern der Charaktere und im Hintergrund zu konzentrieren. Schauspielerische Nuancen kommen monochrom besser zur Geltung. Und natürlich gelingt es durch die Entfärbung, einem sehr alltäglichen Setting die Berechtigung im Intellektuellenkino zu ergaunern.

Letztlich bildet „Nebraska“ die Welt, in der er sich zu bewegen sucht, hervorragend ab. Die Dialoge sitzen. Wir kennen sie. Zwar nicht aus Nebraska aber aus Waren an der Müritz, aus Kirchohsen, Groß-Flöhte, Klein Berkel, Grambow oder Dibbesdorf. Vom Land. Aus der Peripherie. Ob wir uns allerdings im Meer an Südstaaten-Hillbilly-Hinterland-Fernsehserien auch diesen Film reindrücken müssen, bleibt unserer Lust auf dieses Metier überlassen (Ja Nebraska liegt nicht im Süden aber ihr wisst haargenau, was ich meine!). Ich würde euch Nebraska empfehlen, wenn ihr mal wieder Lust auf gekünstelte Ehrlichkeit verspürt. Denn das ist es, was ihr bekommt: Die echte Welt, eingefangen für die Hipster-Arthouse-Bürgertums-Kinos an der nächsten Ecke.

„He always did have a nice voice. It’s the only nice thing about that bastard.“

„He’s alright.“

„Alright? Did you know that he was always trying to get in my bloomers?“

„Jesus Mom, was the whole town trying to seduce you?“

„These boys grow up staring at the rear ends of cows and pigs. It’s only natural that a real woman will get them chafing their pants.“

„Mom, please don’t talk about that kind of stuff right before we eat.“

„You were always such a sensitive boy. And such a beautiful boy.Like…when you were a baby people used to stop me on the street and tell me how beautiful you were. Lot of them thought you were a girl. Isn’t that right Woody?“

„I don’t know.“

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  • Doktor Vstus

    Junge! Das heißt Groß Flöthe.