„Where did we stay in Paris?“ he asked the woman who was sitting by him in a canvas chair, now, in Africa.

„At the Crillon. You know that.“

„Why do I know that?“

„That’s where we always stayed.“

„No. Not always.“

„There and at the Pavillion Henri-Quatre in St. Germain. You said you loved it there.“

„Love is a dunghill,“ said Harry. „And I’m the cock that gets on it to crow.“

„If you have to go away,“ she said, „is it absolutely necessary to kill off everything you leave behind? I mean do you have to take away everything? Do you have to kill your horse, and your wife and burn your saddle and your armour?“

„Yes,“ he said. „Your damned money was my armour. My Sword and my Armour.“

Nun gut, heute verbrüdere ich mich mal mit Euch Lesern und lass nicht die Know-it-all-Literatur-Lady raushängen, denn mein Text wird Hemingway auf gar keinen Fall gerecht werden, denn „Snows“ wie ich sie jetzt für mich nenne, ist zu gut um wahr zu sein, potztausend! Aber ich will heute noch einen SSF haben und jetzt muss Hemingway eben dafür herhalten.

„The Snows of Kilimanjaro“ ist eine, wenn nicht die Sternstunde des Genres Kurzgeschichte. Es geht um Harry, einen Schriftsteller, der in der ostafrikanischen Wildnis festsitzt. Auf Safari hat er sich eine zunächst harmlose Verletzung zugezogen, diese aber nicht hat behandeln lassen. Aus Nachlässigkeit, Großspurigkeit oder Langeweile, wer weiß es schon. Jedenfalls entzündet sich die Stelle und die Infektion kriecht weiter und weiter sein Bein hinauf. Harry ahnt, dass sein Krankenlager sein Strebebett werden könnte. Die einzige Rettung wäre ein Flugzeug aus Arusha, doch das will und will nicht kommen. Stattdessen landen die ersten Geier, schleicht eine Hyäne um die Zelte.

Bei ihm sind nur seine Frau Helen und einige Bedienstete und jeden Tag erzählt ihm seine reiche, nette Frau, dass das Flugzeug sicherlich morgen kommen wird. Obwohl Harry körperlich schwach ist, hat er noch genügend Wut, Helen auseinander zu nehmen, die ihn hilflos betüddelt, was ihn wahnsinnig macht. Realistischer und schrecklicher kann Gespräche zwischen Leuten, die nur noch aus Gewohnheit und Angst vor dem Alleinsein eine „Beziehung führen“ (hier passt dieses schreckliche Formalistenwort einmal), sich aber im Grunde nur noch fertigmachen und abkanzeln nicht beschreiben. Harry hasst aber gar nicht so sehr Helen, klar, Harry hasst sich eigentlich selbst. Statt ein großer Schriftsteller zu werden und „wahre“ Geschichten zu erzählen hat er das bequeme Leben an der Seite einer reichen Frau gewählt, die ihn aushält, sein Bett wärmt und an deren Seite er sich überlegen fühlen kann. Harry muss sich eingestehen, dass er vielleicht gar kein Künstler ist, denn der Drang zu schreiben war nicht stark genug, das angenehme Oberschichtsleben hinter sich zu lassen. Harry hätte Geschichten zu erzählen gehabt. Das merken wir, wenn er sein Leben Revue passieren lässt. Er war im Krieg, in Paris, in afrikanischen Ländern, in Deutschland und der Schweiz. Es hätte genug zu erzählen gegeben, aber Harry hat seine Chancen ungenutzt verstreichen lassen.

Zu meiner Schande muss ich gestehen von Hemingways Leben nicht viel Ahnung zu haben, aber das sollte sich ändern. Denn beim Überfliegen des Wikipedia-Eintrags läuft mir das Wasser im Mund zusammen, so ein Ausnahmeleben scheint der Mann gehabt zu haben. Schriftsteller, Nobelpreisträger, Kriegsberichterstatter, Abenteurer, Hochseefischer, Großwildjäger. Einmal mehr zeigt sich, dass „Midnight in Paris“ ein furchtbar verunglückter Film ist: Nicht dem Blondbubi, nein, diesem Mann hätte man Filmzeit einräumen müssen!

Hemingways Sprache ist absolut reduziert. Ein amerikanischer Minimalist, der mich, ich lasse mich zu Vergleichen hinreißen, an Camus erinnert. Hemingways Kniff und Gottesgabe: er lässt weg. Allein was Hemingway über sein Schreiben gesagt hat, hat mich komplett aus den Latschen gehauen: „If a writer of prose knows enough about what he is writing about, he may omit things that he knows and the reader, if the writer is writing truly enough, will have a feeling of those things as strongly as though the writer had stated them. The dignity of movement of an iceberg is due to only one-eighth of it being above water.“ Das ganze ist heute anscheinend unter dem sagenhaften Begriff „iceberg theory“ im Umlauf.

Wunderbar abwechslungsreich finde ich auch das Setting von „The Snows of Kilimanjaro“. Keine amerkanische Vorstadtenge, sondern heutiges Tansania. Und obwohl ich noch nie dort war, fühlt es sich nun bekannt an, und Hemingway hat mit seiner Geschichte das erreicht, was er sich selbst zum Ziel gesetzt hat: „All good books are alike in that they are truer than if they had really happened and after you are finished reading one you will feel that all that happened to you and afterwards it all belongs to you: the good and the bad, the ecstasy, the remorse and sorrow, the people and the places and how the weather was.“*

Macht es zu eurem Erlebnis. Lest selbst! Danach könnt ihr den Film mit Gregory Peck sehen, den ich mir jetzt noch antun werde.

ENGLISCH ganzer Film

Das Foto ist von wellowater.org

* An die ganz harten Literaturnerds und/oder gewitzte Suchmaschinenbefrager hab ich noch eine Frage: Legt Salinger in „The Catcher in the Rye“ Holden Caulfield dieses Hemingway-Zitat in den Mund? Mir war so. Schreibt mir mal!