In dieser Rubrik möchten wir euch jeden Freitag eine Kurzgeschichte ans Herz legen, die uns wichtig ist. Eigentlich wollte ich die Kategorie „Friday I’m In Lovecraft“ nennen, aber dann hielt ich es doch für sinniger sie für andere Autoren, darunter hoffentlich einige von uns, zu öffnen.
Trotzdem macht der gute Hans Peter Lovecraft mit „Hinter der Mauer des Schlafes“ den Anfang.

Ich selbst kann mich erst seit ungefähr letztem Sommer als Lovecraft-Fan bezeichnen. Ich hatte schon immer mal wieder, hauptsächlich von Rollenspielern, von Lovecraft gehört und wusste nur, dass es in seinen Geschichten um Horror und das Tentakelwesen Cthulu geht. Erst als ich dann vor einigen Monaten draußen auf dem Grabbeltisch eines kreuzberger Antiquariats „Aus der Gruft“ liegen sah, konnte ich nicht anders als zwei Euro zu berappen und gespannt mit dem Lesen anzufangen.

Und Lovecraft hielt viel mehr als ich mir versprochen hätte. Nach den ersten paar Lagerfeuergeschichten begannen die phantastischeren Erzählungen, in denen das kosmische Grauen auch immer wieder als Symbol der menschlichen Transzendenz zum Vorschein kommt und dem Leser zu verstehen gegeben werden soll, dass diese materielle Existenz nicht die einzige ist, die uns ausmacht, ja das sie eher die banalste von allen ist.
Lovecraft schafft es damit eine Stimmung zu erzeugen, die nicht gruselt, weil seine Monster unglaublich böse und eklig sind, sondern weil sich seine übermenschlichen Wesen nicht für das Schicksal der Menschen interessieren.

„Beyond the wall of sleep“ ist ein Paradebeispiel für die esoterischere Seite Lovecrafts, die jedoch nie als zu lehrende Religion definiert wird. Lovecrafts „Cosmicism“ versucht stattdessen zu zeigen, dass die menschliche Existenz nichtig ist und das größere Ganze unmöglich verstanden werden kann. Auf diese Art scheint sie den existenziellen Zweifel mit einer übermenschlichen Realität zu vereinen und übt deshalb eine große Anziehungskraft auf mich aus.

In der Geschichte erzählt ein Angestellter einer Anstalt von einem Mörder, der ab und zu nach unruhigen Nächten, von einer jenseitigen Welt erzählt, in der er eine Aufgabe zu erfüllen habe. Diese jenseitige Welt ist jedoch so detailliert, dass der Verrückte sie unmöglich erfunden haben konnte. Der Ich-Erzähler versucht nun mehr über diese Traumwelt herauszufinden, die vielleicht realer ist, als das, was wir unter der „echten Welt“ verstehen.

Nehmt euch eine Viertelstunde Zeit um die Geschichte zu lesen. Es lohnt sich.

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