Ich hab ein bisschen Ahnung von journalistischem Schreiben. Doktor Schwarz und ich hatten die Idee, dass ich eine Liste mit allgemeinen Schreibtipps anfertige. Einige Beispiele habe ich von der Doktor Peng Seite. Ich hoffe, niemand ist beleidigt, wenn er einen seiner Sätze wiedererkennt. Ich hab einfach quer durch alle möglichen Texte gestöbert, ohne auf Autoren zu achten.

WÖRTER

1.1 Nach dem Schreiben per Strg + F nach Füllwörtern wie „auch“, „schon“, „halt“, „so“,        „relativ“, „wirklich“, „einigermaßen“, „nämlich“, „selbstredend“ suchen.

Alle oben genannten Wörter sind selbstverständlich in bestimmten Situationen angebracht. Aber oft werden sie inhaltsleer verwendet. Man schreibt sie nicht, weil das, was man sagen will, genau nach ihrer Bedeutung verlangt, sondern weil der Text dadurch flüssiger wird. Vielleicht lässt er sich sogar leichter lesen. Der Leser trifft auf viele bekannte und simple Wörter, die man auch beim Sprechen verwendet. Sie lesen sich leicht runter, eben weil sie inhaltsleer und allzu bekannt sind. Jedoch tendiert man beim Lesen dann dazu, nur noch einen Satz nach dem anderen runterzuschlingen, ohne sich zu konzentrieren. Wenn zu viele Füllwörter verhindern, dass der Intellekt angesprochen wird, nimmt die Aufmerksamkeit ab. Prägnanz und inhaltliche Überzeugungskraft eines Textes verblassen. Er ist dann zwar leicht lesbar aber auch langweilig und nichtssagend.

Am Besten prüft man jedes einzelne Wort, ob es für das, was man sagen will, wirklich gebraucht wird. Das kann Wunder wirken. Mir rutschen Worthülsen oft in den Text. Ich suche sie dann nach dem Schreiben per Suchfunktion, weil sie mir meist auch beim Drüberlesen nicht auffallen. In fast allen Fällen verliert der Satz nicht an Inhalt. Stattdessen wird er knapper, direkter und überzeugender.

Hier einige Beispiele:

„Ich persönlich würde mich zum Beispiel über eine neue Gargoyles-Serie oder einen von Michael Bay produzierten Power Rangers Film freuen. Manche Serien geraten nämlich auch in Vergessenheit und eine möchte ich hier kurz vorstellen: Die Erzähl mir was Kassetten.“

„Der Beat ist seinerseits relativ klassisch und schmiegt sich angenehm an Haftbefehls Allmachtsphantasien an.“

1.2 Floskeln vermeiden 

Einige Floskeln klingen klug. Ihre Bedeutung lässt sich aber auch durch semantisch einfachere Worte wiedergeben. „im Zuge von etwas“ ist umständlich und klingt gestelzt. Man sollte lieber etwas wie „während“ oder „durch“ schreiben. „im Rahmen von“ lässt sich fast immer durch „in“ ersetzen. Das ist direkter. Statt „ich persönlich“ reicht oft „ich“. Dass es nicht um irgendein unpersönliches Ich geht, ist nämlich meist offensichtlich. Ähnliches gilt für „nicht wirklich“. Ich finde, „nicht“ eindeutiger. Manchmal scheint es mir, als ob der Autor „nicht wirklich“ schreibt, weil er sich nicht traut, ohne Einschränkung zu verneinen. „nicht wirklich“ eröffnet die Möglichkeit, dass das, worum es gerade geht, „unwirklich“ doch der Fall sein könnte. Das ist zwar unlogisch, mildert aber dennoch die Härte einer ausschließlichen Negation. Ich finde aber, man sollte sich überlegen, ob man ja oder nein meint. Kann man das nicht, geht man mit der Unsicherheit lieber offen um. Dann muss man auch keine Weichspüler hinterher schieben.

Hier noch ein Beispiel:

„Er stellte fest, dass eine verflossene Liebschaft im Zuge der gemeinsamen Affäre schwanger geworden war“

Einfacher und lebendiger finde ich:

„Er stellte fest, dass er seine verflossene Geliebte während ihrer inzwischen vergangenen Affäre geschwängert hatte.“

1.3 Wörter, die auf „-ung“, „-heit“ oder „-keit“ enden, vermeiden

Diese Wörter sind Substantivierungen. „-ung“ substantiviert meist Verben, aus „verarmen“ wird „Verarmung“. „-heit“ und „-keit“ sind für Adjektive zuständig. Das Problem bei vielen dieser Substantivierungen ist, dass sie leblos und lang sind. Meist klingen sie auch noch unbeholfen, wie „Enthemmtheit“, oder hochgestochen wie „Kultivierung“. Verben dagegen sind viel lebendiger. Sie sind dazu da, Werden im Gegensatz zu starrem Sein zu artikulieren. Wenn aber Substantivierungen die Aktivität in einem Text ausdrücken und die Verben zu bloßen Helfern degradieren, liest sich der Text weniger lebendig.

Hier ein Beispiel:

„Die Vermüllung der Straßen sorgt für Übelkeit bei den Passanten.“

In diesem Satz passieren drei Dinge. Abfall landet auf den Straßen. Der Unrat löst etwas aus und den Menschen, die vorbei kommen, dreht sich der Magen um. Dennoch steht in dem Satz nur ein Verb, nämlich „sorgen“. Stellt man den Satz so um, dass Verben das, was passiert, ausdrücken, klingt er gleich viel lebhafter.

„Wenn Bürger ihren Müll auf die Straße werfen, wird den Passanten übel.“

Oder auch:

„Torsten hatte die Möglichkeit zur Besteigung des Bergs.“ wird zu „Torsten konnte den Berg besteigen.“

Damit ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, dass es viele Wörter mit diesen Endungen gibt, gegen die nichts einzuwenden ist, etwa „Zeitung“ oder „Werbung“. Sie sind aber immerhin kurz.

1.4 Nicht zu viele Adjektive und Adverben

Die Versuchung, einen Text mit Adjektiven und Adverben zu überfrachten, ist groß. Aber häufig liefern diese Zusätze nur Informationen, die nicht wesentlich sind, den Text aufblähen und den Leser aufhalten. Man sollte sie nur schreiben, wenn sie eine Information enthalten, die für das, was man sagen will, unverzichtbar ist.

Hier ein Beispiel:

„Sie ist skrupellos wie ihr Mann, was eine wirklich interessante Dynamik erzeugt.“

Ich hab noch nie von einer unwirklich interessanten Dynamik gehört. „interessant“ reicht hier völlig aus. Auch „interessant“ finde ich hier ein bisschen nichtssagend.

Außerdem haben Adjektive die gleiche Macke wie die Substantivierungen aus dem vorigen Kapitel. Ihre semantische Struktur ist starr. Sie beschreiben nur, was ist, während Verben das Werden darstellen. Sie sorgen dafür, dass in einem Text etwas passiert. Es gibt Aktion und Bewegung im Gegensatz zur Zustandsbeschreibung.

Einem Spezialfall von Adjektiven widme ich mich im nächsten Kapitel.

1.5 Mit Superlativen und Übertreibungen sparsam umgehen

Ich lese auf Doktor Peng immer wieder Dinge wie „crappigstes CGI“, „völlig überdreht“ und „Nick Carraway, der als absoluter Mitläufer inszeniert ist“. Wenn alles immer das höchste, schlechteste und absolute ist, wirkt der Text weniger differenziert. Die Standardbewertung sollte das normale Positiv sein. Den Superlativ sollte man sich für Ausnahmefälle aufheben. Schmeißt man hingegen mit Übertreibungen nur so um sich, dann verblasst der eigentliche Inhalt hinter dem ganzen Spektakel. Das ist wie bei einer Mediamarkt-Werbung. Die erzählt mir von der riesigen Bidschirmdiagonale, der unschlagbaren Preisleistung und der phänomenalen Bildqualität. Vor lauter Übertreibungen kann ich dann ohne Fachwissen überhaupt nicht mehr einschätzen, wie gut der Fernseher wirklich ist. Journalistische Texte sollten weniger sensationslüstern und stattdessen nüchterner sein. Dann ist der Autor auch gezwungen durch Inhalt zu überzeugen statt durch Spektakel.

SATZBAU

2.1 Sätze kurz und einfach halten

Die deutsche Sprache verleitet dazu, lange, verschachtelte Sätze, die zwar das Verständnis erschweren, sich jedoch gleichzeitig gut eignen, den Autor klüger erscheinen zu lassen, als er ist, indem der Leser dazu verleitet wird, Komplexität im Satzbau mit Komplexität in der beschriebenen Sache zu verwechseln, zu schreiben.

„Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiter nachdenken, bis er’s klar sagen kann“, hat der Philosoph Karl Popper mal gesagt. Es gibt es Inhalte, die nach langen Sätzen verlangen. Aber oft spiegeln zeilenlange Wortungetüme nur das Durcheinander im Kopf des Autors wider. Hat man ein klares Bild davon, was man sagen will, sollte es leicht fallen, den Inhalt in kurze verständliche Sätze zu unterteilen. Muss der Leser ewig auf das Verb des Hauptsatzes warten, oder am Ende nochmal zum Anfang springen, um den Satz in Gänze verstehen, wird er nicht viel Spaß bei der Lektüre haben. Irgendwann gibt er sich dann keine Mühe mehr, den Text zu verstehen, oder legt ihn gleich ganz weg.

Hier noch ein Beispiel von der Seite:

„Im Fernsehen führen Ingos Bemerkungen dazu, dass Olli Dietrich sich spontan irgendwelche angesprochenen „guten Gründe“ überlegen muss, mit denen er als Dittsche irgendwie versucht, seine komplett absurden, aber eben nicht in Gänze irrationalen Reflexionen des Tagesgeschehens zu rechtfertigen und weiterzuspinnen.“

Der Satz hat 40 Wörter. Bei der Zeitung, für die ich gearbeitet habe, galt die Losung: Mehr als 20 Wörter in einem Satz sind kritisch, weil das Verständnis des Lesers abnimmt.

Jedoch ist es manchmal angebracht, diese Regel nicht zu befolgen. Mehr dazu erfahrt ihr im Abschnitt „Abwechslung“.

2.2 Nebensätze hinten an den Hauptsatz anhängen

Der Hauptsatz bildet gewöhnlich das Sinnzentrum der gesamten Satzkontruktion. Von ihm geht alles Verstehen aus. Er ist auch für sich genommen eine abgeschlossene Sinneinheit. Deshalb gehören die wichtigen Sachen in den Hauptsatz. Nebensätze sind dagegen eher Ergänzungen, die nur in Bezug auf den Hauptsatz verständlich sind.  Deshab ist es sinnvoll, sie hinten an den Hauptsatz zu hängen. So erfährt der Leser zuerst das Wesentliche und danach die Ergänzungen. Steht ein Nebensatz dagegen vor dem Hauptsatz, muss der Leser den Inhalt dieses Nebensatzes sozusagen auf Abruf bereit halten, bis er durch den Hauptsatz einen Gesamtsinn bilden kann. Das ist anstrengend. Man kann den Nebensatz auch in den Hauptsatz einschieben. Dann wird’s meist noch komplizierter. Also einfach das Wichtige zuerst schreiben.

Diese Regel gilt nur bedingt. Im Abschnitt „Abwechslung“ steht warum.

2.3 Satzstrukturen variieren

Die letzten beiden Empfehlungen muss ich einschränken: Kurze Sätze und hinten angehängte Nebensätze erleichtern wie gesagt das Verständnis eines Texts. Aber es kommt nicht nur auf Verständnis an. Ein Text sollte auch auf anderen Ebenen als der Verständlichkeit ansprechend geschrieben sein. Um das zu erreichen, kann man stilistische Abwechslung einbauen. Das überrascht den Leser, stimuliert seinen Geist und macht das Lesen zu einem spannenden Erlebnis. Diese Abwechslung fängt bei einfachen Dingen an. So lohnt es sich etwa, Wortwiederhoungen zu vermeiden und Satzanfänge zu variieren.

Aber Abwechslung kann man auch durch gezielte Ausnahmen von den letzten beiden Regeln erreichen. Besteht ein Text hauptsächlich aus kurzen Sätzen, können einzelne lange Sätze eine angenehme Zäsur sein. Der Leser stockt kurz und muss sich wieder mehr konzentrieren. So sorgt man dafür, dass er aufmerksam bleibt.

Schreibt man nur Sätze, die sich dem Verstand allzu bereitwillig öffnen, kann ein Text schnell zu einer Art literarischem Fast Food werden. Der Rezipient liest ihn zwar Satz für Satz, aber Aufmerksamkeit und Begeisterung dösen weg. Daher lohnt es sich, ab und an Sätze einzuschieben, die semantisch etwas sperriger sind. Wenn Nebensätze am Anfang oder in der Mitte eines Satzgefüges stehen, erschließt sich der Gesamtsinn des Satzes nicht sofort. Der Leser erfährt zunächst nur ergänzende Informationen, die sich erst nach dem Lesen des Hauptsatzes zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfinden. Dieser kurze Schwebezustand, in dem der Geist etwas konsumiert, was er noch nicht gänzlich versteht, macht einen Text intellektuell ansprechend. Das Lesen wird dann zu einer angenehmen Herausforderung.

2.1 Satzzeichen

Ich bin kein Fan von Klammern, Semikola, und Anführungszeichen. Selbstverständlich haben auch sie ihren Platz, etwa bei Zitation. Aber abgesehen von derartigen Verwendungen stören sie mich oft. Häufig kann man das, was sie kommunizieren, auch durch Worte und den Textfluss deutlich machen. Je weniger Hilfsmittel, desto eleganter wird ein Text. Aber diese Ansicht ist auch ein Geschmacksurteil, das auf Gefallen an Einfachheit und Purismus basiert.

Klammern liefern gewöhnlich zusätzliche Informationen. Sie sind für das Verständnis nicht unbedingt notwendig. In Klammern schreibt der Autor sie dennoch in den Text. Aber wenn ich mir nochmal vergegenwärtige, was ich sagen will, weiß ich, ob die fraglichen Informationen wichtig sind oder nicht. Dementsprechend schreibe ich sie dann in den Fließtext oder lasse sie weg, anstatt sie mit halber Überzeugung durch Klammern in den Text zu mogeln.

Für Semikola gilt das Gleiche. Sie sind ein Ding zwischen Komma, das eine Aufzählung organisiert, und Punkt, der einen Satz beendet. Ich finde es besser, eine Sprache zu finden, die so klar ist, dass man derartige Hilfsmittel nicht braucht.

Schließlich sind da noch die Anführungszeichen. Sie sind bei Zitation, wörtlicher Rede und Eigennamen unverzichtbar. Aber manchmal werden Gänsefüßchen benutzt, um etwas zu sagen, es aber gleich wieder zurückzuziehen.

„Die Nachtigall glaubt natürlich an die von ihr schon so häufig besungene „wahre Liebe“ und stürzt sich deshalb ins Verderben.“

Man kann argumentieren, dass „wahre Liebe“ eine so oft verwendete Wortkombination ist, dass man sie wie einen Eigennamen behandeln sollte und dementsprechend in Anführungszeichen setzen. Ich behaupte deshalb nicht, dass die Anführungszeichen hier falsch sind. Dennoch lässt sich an dem Beispiel etwas Wichtiges zeigen. Manche Wörter oder Wendungen sind klischeehaft, abgegriffen oder politisch unkorrekt. Wenn ein Autor sie dennoch zutreffend findet, um eine Sache im Text zu beschreiben, setzt er sie in Gänsefüßchen. So zeigt er an, dass er sich der Mängel seiner Worte bewusst ist, schreibt sie aber dennoch hin. Man sollte aber hinter dem stehen, was man schreibt. Wieder plädiere ich dafür, sich genau zu überlegen, worum es eigentlich geht. Dann kann man das unumwunden schreiben und hat Sicherheitsnetze in Form von Anführungszeichen nicht nötig.

Hier noch ein weiteres Beispiel:

„Immer schwierig die schlechteren Episoden von TWD zu „reviewen“, weil man ja auch irgendwie nicht immer die Lust hat komplett rumzuhaten.“

Vermutlich hat der Autor „reviewen“ in Anführungszeichen gesetzt, weil es ein recht ungewöhnlicher Anglizismus ist. Ich finde es wie gesagt besser, sich klarzumachen, wie man zu derartigen Anglizismen steht. Weiß man das, wird man sie nicht verwenden beziehungsweise ohne Anführungszeichen schreiben.

3 Den Text nach zwei Tagen noch einmal lesen

Ist man fertig mit Schreiben, sollte man den Text zwei Tage liegen lassen und dann noch einmal kritisch lesen. Ich bin immer wieder überrascht, wieviele Fehler ich übersehe, wenn ich den Text direkt nach dem Erstellen durchgehe.

4 Zum Abschluss

Wenn ich diese Regeln anwende, muss ich mir genau überlegen, worum es im Text gehen soll. Dadurch werden sowohl meine Gedanken, als auch der Text prägnanter. Beim Schreiben sollte man sich die Zeit zum Nachdenken und Formulieren zu nehmen, die man beim Sprechen oft nicht hat. Diese Erwägungen will ich aber niemandem aufzwingen. Also nehmt euch einfach das zu Herzen, was nach eurer Meinung euren Stil verbessert.

Allen, die gerne mehr über guten Stil erfahren wollen, empfehle ich das Buch „Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil“ von Wolf Schneider. Er hat auch „Deutsch für Fortgeschrittene“ geschrieben, das kenne ich aber nicht.