Ich hätte diesen Text fast mit dem Satz „Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer Dokumentation, die sich mit der Lebenswelt von Pornodarstellern befasst“ angefangen. Aber das stimmt eigentlich gar nicht. Eigentlich frage ich mich einfach immer, wenn ich einen Porno sehe, was die Leute eigentlich den ganzen Tag machen. Wie gehen die miteinander um? Und wie oft muss man ins Fitnessstudio um dazu fähig zu sein, seine Beine auf der Couch spreizen zu können, während man sich mit dem Ellenbogen abstützt, lasziv in die Kamera guckt, den ganzen Körper unter Spannung hält und „Yeah, do you like my Pussy?“ ruft? Und währenddessen natürlich gefickt wird. Von einem vor Testosteron triefenden Monsterwesen, das im gleichen Aufzug auch bei Thermopylen gegen die Perser kämpfen hätte können und nicht aufgefallen wäre.

Neulich suchte und fand ich dann wirklich mal so eine Doku. Der gute Louis Theroux, der seit den Neunzigern für unterschiedliche Dokuformate seine Wochenenden dafür opfert bei irgendwelchen Aussenseitern mit grenzwertigen Freizeitbeschäftigungen rumzuhängen, hat sich erneut ins Pornobusiness gewagt.
In der Dokumentation „The Twilight oft he Pornstars“ besucht Theroux unterschiedliche Prominente der Szene und geht hauptsächlich der Frage nach, inwieweit ein normales Leben unter Ausübung dieses Berufs überhaupt möglich sein kann. Weiterhin scheint er ganz versessen darauf zu sein zu erfahren, ob der berufliche Sex vor der Kamera auch eine tatsächliche emotionale Bindung zwischen den „performers“ erzeugt. So wirkt Theroux irgendwie immer so ein bisschen wie der prüde Nerd mit erhobenem Zeigefinger, der es dann aber trotzdem ganz genau wissen will und im Privatleben der Erotikstars herumschnüffelt.

Die Dokumentation ist dennoch durchaus sehenswert. Irgendwie schafft es Theroux am Ende doch die menschliche Seite der Pornstars ans Licht zu bringen und das ganze Business, wie nur eine von vielen gleichberechtigten Formen der Lohnarbeit darzustellen. Obwohl meine Fragen nicht alle beantwortet wurden, kann ich diese Dokumentation nur empfehlen, wenn man mal eine Stunde Zeit dafür hat, sich unterhalten und auf eine gewisse Art auch weiterbilden zu lassen.
Kritik: Die wiederkehrende Emotionalisierung des Themas durch Theroux

Versöhnung: die gute Unterhaltung / die abgefahrenen Charaktere

The Twilight of the Pornstars
Wertung
Versöhnung
  • Gute Unterhaltung
  • Abgefahrene Charaktere
Kritik
  • Die wiederkehrende Emotionalisierung des Themas durch Theroux
4.0Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)