Jeder Mensch, an dem Nachts einmal ein Auto vorbeigefahren ist, weiß, dass Licht weniger hell erscheint, je weiter es weg ist. Jeder Mensch weiß auch, dass sich die tatsächliche Helligkeit, oder besser die Beleuchtungsstärke, des Scheinwerfers dabei natürlich nicht verändert. Physikalisch ist das schnell erklärt und später im Artikel werden wir darauf noch einmal zurück kommen. Keine Angst, wir bleiben nicht lange bei der Physik, wir wollen vielmehr versuchen uns von der Physik ausgehend über die Astronomie hin zu gesellschaftlichen Themen zu hangeln. Ob das klappt könnt ihr ja dann entscheiden.

Aber zurück zu unserer Lichtquelle. Die scheint immer gleich hell, haben wir ja schon gesagt. Und trotzdem kommt sie uns dunkler vor, wenn wir weiter von ihr entfernt sind. Hier greift das sogenannte Abstandsgesetz, welches die Abnahme von physikalischen Größen abhängig von der Entfernung beschreibt. Kurz gesagt, man teilt die Intensität durch das Quadrat der Entfernung. Bevor ihr euch angeekelt von der Physik abwendet, schaut euch die Grafik an, da ist es ganz gut zu erkennen.

Der blaue Punkt, mit S betitelt, ist unsere Lichtquelle, die in eine Richtung scheint. Das tatsächliche Licht sind die roten Pfeile und r ist die Entfernung. Das Feld mit dem gelben A drauf, sind quasi unsere Augen. Wenn wir nah dran stehen (sagen wir mal r ist 1m), bekommen wir alle 9 Pfeile ab, die Lichtquelle erscheint so hell, wie sie auch ist (sagen wir mal 1 lumen). Doch nun bewegen wir uns von der Lichtquelle weg. Und je weiter wir weg sind, desto größer ist die Fläche auf die die 9 Pfeile aufgeteilt werden. Stehen wir also bei 2r (2 x 1m = 2m), erreichen uns nur noch 3 Pfeile (oder 1 lumen / (2m)² = 0.5 lumen/m² = 0.5 lux).

Soweit so gut, das ist ja erstmal noch kein Problem, aber was, wenn nun zu unserer 1-lumen-Lichtquelle eine dazukommt, die mit 2 lumen leuchtet. Und die Erste ist einen Meter entfernt und die Zweite zwei. Beide haben dann an dem Punkt an dem wir stehen eine Beleuchtungsstärke von 0.5 lux. Hätte man nur das Licht als Anhaltspunkt wäre es nicht möglich zu erkennen welche der beiden Lichtquellen weiter entfernt ist.

Mit dem Wissen im Hinterkopf wechseln wir in die Astronomie. Genau genommen in die Entfernungsmessung von Sternen. Ganz ganz grob gesagt kann man von weit entfernten Sternen nur die scheinbare Helligkeit messen, also die Intensität mit der das Licht der Sterne eben bei uns auf der Erde ankommt. Hat man aber nur die scheinbare Helligkeit und kennt die absolute, tatsächliche Helligkeit nicht, kann man die Entfernung nicht berechnen. Doch wie das eben so ist, haben sich kluge Köpfe zusammen gesetzt und Methoden entwickelt die Entfernungen trotzdem zu bestimmen, zumindest so halbwegs. Was genau das für Methoden sind, ist an dieser Stelle nicht weiter wichtig und unnötig kompliziert.

Es wurden also fleißig Entfernungen bestimmt und man stellte fest, dass es, je weiter man sich von der Erde entfernte, verhältnismäßig mehr helle Sterne zu geben schien. Bis 1922 Gunnar Malmquist auf den Plan trat und mit den Worten „Nichts ist so, wie es zu Scheinen scheint.“ alles über den Haufen warf. Na gut, wahrscheinlich hat er das nicht gesagt. Was er gesagt hat, und was im nachhinein natürlich wahnsinnig offensichtlich wirkt, ist, dass es weit entfernt nicht mehr hellere Sterne gibt als in der Nähe. pengstarsTatsächlich sind die hellen Sterne nur die einzigen die hell genug sind, dass ihr Licht uns überhaupt erreichen kann. Ich habe das mal, extra für euch, in Paint visuell dargestellt. Die ausgestrichenen Sterne sind entsprechend eben so weit weg, und ihre scheinbare Helligkeit so gering, dass man sie von der Erde aus nicht mehr sehen kann. Dadurch bleiben in weiter Ferne nur die besonders Hellen sichtbar. Das wiederum führte in der Astronomie eine Zeit lang dazu, dass weit entfernte Sterne als noch weiter entfernt eingestuft wurden als sie eigentlich sind. Malmquist Bias wurde das genannt.

„Was interessiert mich irgendwelches Sternenlicht, was über Jahrtausende hinweg den Weg zur Erde gefunden, oder eben nicht gefunden, hat?“, höre ich euch fragen. Genau genommen vielleicht nichts, außer dass der Weltraum super cool ist und sich meiner Meinung nach jeder dafür interessieren sollte.

Nein, warum ich diesen Artikel geschrieben habe ist einfach, weil mir beim freizeitlichen Lesen über den Malmquist Bias eine Analogie nicht mehr aus dem Kopf ging. In einem anderen Tab meines Browser waren Nachrichten offen. Es wird über berühmte Personen berichtet die langweilige Sachen machen, und über Personen die dumme oder schreckliche Sachen machen. Frauen sind so, Männer sind so. Es wird über Länder geschrieben als wären es Personen, die handeln und beschließen. Das eine Land macht Terror, das andere ermordet Touristen im Bikini. Noch ein anderes warnt vor einem weiteren. Extreme Worte und noch extremere Taten. Schlagzeilen die so hell sind, dass sie auch vom anderen Ende der Welt bis zu mir auf den Bildschirm scheinen. Nur sonst schafft es von dort nichts bis in unseren Medienhimmel. Die anderen Sterne sind nicht hell genug, beleuchten nur ihr unmittelbares Umfeld.

Es liegt an uns die Abstände der Menschen auf der Erde richtig zu vermessen, und die Entfernung nicht nur von den grellen, gut sichtbaren Sternen abhängig zu machen, die so weit weg erscheinen. Die kleineren, dunklen Sterne sind gar nicht so weit weg, und die sind, was ich sehr beruhigend finde, auch im Universum in der Überzahl. Unvoreingenommene Astronomen sollt ihr sein, Malmquist hätte es so gewollt.