Die Meere beherbergen mehr als 250.000 verschiedene Arten und bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche. Wir nutzen sie intensiv und vielfältig. Warum sollen wir sie schützen? 

Unser ständig steigender Bedarf an Lebensmitteln führt zu Überfischung. Auch die Schifffahrt hat Auswirkungen: z.B. Ölunfälle  und das Einschleppen gebietsfremder Arten im Ballastwasser. Außerdem entsorgen wir unseren Müll in den Meeren. Damit überfordern wir vielerorts bereits jetzt Stabilität und Widerstandsfähigkeit der marinen Ökosysteme. Die Folge: Empfindliche Arten und Lebensräume gehen für immer verloren.

Aber: Nur intakte Ökosysteme können den Folgen des Klimawandels begegnen – und entgegenwirken!

Unter Klimawandel versteht man die globale Erwärmung der Atmosphäre als Folge des erhöhten Kohlendioxid-Gehalts (Treibhauseffekt). Dies führt zu langfristigen Klimaänderungen wie langsam steigenden Durchschnittstemperaturen, stärkeren Klimaschwankungen und häufigeren Extremwetter-Ereignissen (Stürme, Dürren, Hitzesommer). Da die Atmosphäre und die Meere in ständiger Wechselwirkung miteinander stehen, bedeuten diese atmosphärischen Veränderungen auch Einschnitte in die Ökosysteme der Ozeane. Dazu zählen der Anstieg des Meeresspiegels, die Verschiebung spezifischer Lebensräume, die Änderung ozeanischer Strömungen, biochemische Änderungen (z.B. Ozeanversauerung) – und eine Zunahme an Extremereignissen wie beispielsweise Sturmfluten.

Ozeane reagieren nicht nur auf das Klima, sie beeinflussen es auch:

Temperaturpuffer

Eine wichtige Aufgabe der Meere besteht darin, Wärme aus der Atmosphäre aufzunehmen Die Ozeane können nämlich tausendmal mehr Wärme speichern als die Atmosphäre! Meere sind also Klimapuffer, die jahreszeitliche Schwankungen der atmosphärischen Temperatur ausgleichen; so dämpfen sie die Erwärmung der Atmosphäre. Und dann gibt es da noch die Meeresströmungen. Neben der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre sind sie der wichtigste Faktor für den globalen Temperaturaustausch. Meeresströmungen wie der Golfstrom transportieren enorme Mengen an Energie.

CO2-Senke

Meeresströmungen sind außerdem ein wichtiger Transportweg für Gase wie Kohlenstoffdioxid (CO2). CO2 löst sich gut in Wasser, was die Weltmeere zu einem bedeutenden CO2-Speicher und langfristig auch zur wichtigsten CO2-Senke macht. Jedoch: Zu viel CO2 schadet.

Sauerstoff

Die Weltozeane bestimmen auch den globalen Sauerstoffhaushalt. In der Photosynthese stellen Pflanzen und Bakterien Sauerstoff aus CO2 und Wasser her. Pro Jahr produzieren die Meere genauso viel Sauerstoff wie alle Wälder und Wiesen zusammen: Jeden zweiten Atemzug verdanken wir dem Meer! Das Problem: Wärmeres Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen. Die Verlierer sind die Lebewesen, welche den niedrigen Sauerstoffgehalt nicht bewältigen oder nicht schnell genug in kühlere Gebiete abwandern.

Energiegewinnung

Auch im Rahmen der Energiewende nutzen wir die Ozeane. Der Anteil von erneuerbaren Energien soll demnach von knapp 25 Prozent (2012) bis 2025 auf 40-45 Prozent und bis 2035 auf 55-60 Prozent steigen. Viele Staaten, darunter auch Deutschland, setzen auf den Ausbau der Offshore-Windkraft. Zusätzlich rückt die Energiegewinnungen aus Wellen und Strömungen immer weiter in den Fokus.

Fassen wir zusammen: Die Meere nehmen Wärme auf und transportieren sie. Außerdem absorbieren sie CO2 und beeinflussen den globalen Sauerstoffhaushalt. Damit stabilisieren und steuern die Weltmeere unser Klima. Dieses Wechselspiel zwischen Atmosphäre und Ozeane wirkt sich direkt auf unser Leben aus: auf unsere Nahrung, Ressourcen, Transportwege, Klimaschutz.

Eine Schätzung hat ergeben, dass sich der Wert dieser Funktionen auf jährlich mehrere Milliarden US Dollar beläuft.

Je intakter die Meere sind, desto flexibler und dynamischer können sie auf Veränderungen reagieren und die negativen Folgen der Klimaveränderung abpuffern.

Meeresschutz ist also auch Klimaschutz!

Damit Ozeane auch in Zukunft Klimaveränderungen abschwächen können müssen wir die Stressfaktoren der Meere bekämpfen: Überfischung, Treibhausgase, Eutrophierung und Müll. Außerdem müssen wir Lebensräume, Artenvielfalt und ungestörte ökologische Entwicklung bewahren bzw. wiederherstellen (z.B. durch Meeresschutzgebiete).

Hier einige sinnvolle Maßnahmen:

 

Maßnahme Meeresschutzwirkung Klimaschutzwirkung
Einschränkung der Fischerei Erholung der Fischbestände;
Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Fischerei-Ressourcen;
Erhaltung der Integrität, Struktur und Funktion der Ökosysteme
Erhöhung der Ökosystem-Resilienz und -Resistenz gegenüber zukünftigen, teilweise unvorhersehbaren Klimavariabilitäten
Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen Verminderung der Ozeanversauerung;
Verminderung der Erwärmung des Meerwassers mit all ihren Auswirkungen
Verminderung der globalen Erwärmung
Erhaltung und gezielte Förderung der Ozeane Lebensräume, Artenvielfalt und ungestörte ökologische Entwicklung bewahren / wiederherstellen Ozeane sind die größten CO2– und Wärmespeicher im Klimasystem der Erde

 

Meeresschutz ist Klimaschutz

 

Was Meeresschutz und Klimaschutz verbindet? Dass wir schnell handeln müssen! Denn viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Die Meere sind also ein guter Ansatzpunkt für die Umsetzung des frisch geborenen Paris-Abkommens.

 

 
Interessantes zum Weiterlesen
  • COP21: “Because the Ocean”Erklärung
  • Ocean & Climate Platform 
  • World Ocean Review (WOR):
    • WOR 1: Mit den Meeren leben. Ein Bericht über den Zustand der Weltmeere.
    • WOR 2: Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft.
    • WOR 3: Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken.
    • WOR 4: Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren – von der Idee zur Strategie.
  • Zusätzlich: Quellen hinter den Hyperlinks im Text!