STRASSE

Faust. Margarete vorübergehend.

FAUST. Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?

Nun gut, dass das so meistens eher nicht läuft, haben wir mittlerweile verstanden. Aber man ist doch jedes Mal ein wenig geschmeichelt, wenn ein attraktives Wesen (männlich/weiblich/anderes) einen anspricht, auch ohne dabei Worte wie ‚schönes Fräulein‘ in den Mund zu nehmen. So wichtig das im Moment des Ansprechens auch erscheint, die exakte Wortwahl ist dabei doch eher zweitrangig.

Letztens ist meiner Mitbewohnerin jedoch tatsächlich so etwas ähnliches passiert. Ein Jemand kam ihr auf der Straße entgegen, sprach sie auch gleich darauf an, wie schön er sie fände und ob die beiden nicht einen Kaffee trinken könnten. So direkt hinter einem Auto hervorgesprungen und mit der Tür ins Haus fallend funktioniert das doch aber nicht! Außerhalb der Buchdeckel ist das schon forsch formuliert und sich nach einem ‚Nein‘ nicht zufrieden zu geben und an den Fersen kleben zu bleiben erscheint ebenso misserfolgsversprechend. Was ist aus dem echten Gentleman geworden – woher nur diese unangenehmen Aufdringlichkeiten?

Sprechen wir über das Ansprechen

Vielleicht ist das ein typisches Großstadtphänomen, dass an den verschiedensten Orten – an Supermarktkassen, Bartheken, beim Bäcker, in der Unibibliothek, in der S-Bahn oder sogar an Ampeln – die Jetzt-oder-Nie-Devise zählt. Höchstwahrscheinlich sieht man sich sonst nie wieder. Wenn dann nach ein paar schüchternen Blicken und einigen Momenten des umeinander Herumschleichens sich endlich einer der beiden Mensch_innen ein Herz fasst und es wagt, den anderen auf den obligatorischen Kaffee einzuladen, wird er nur in Ausnahmefällen auf Ablehnung stoßen. Manchmal kann es schon darauf ankommen, Interesse sofort, direkt und am Besten im Tausch gegen eine Handynummer zu bekunden. Es lässt sich bestimmt auch ganz gut auf den Quatsch verzichten, man kann auch definitiv entspannter und weniger auf äußere Merkmale reduziert Leute kennen lernen. Aber ich möchte behaupten, dass jede_r sich schon einmal geärgert hat, sich in einem solchen Moment nicht getraut zu haben.

Klar, Ansprechen ist nicht gerade einfach. Aber so viel kann man dabei eigentlich nicht falsch machen, wenn ein paar einfache Dinge beachtet werden:
Erstens. Das Gegenüber sollte irgendwie den Anschein erwecken, interessiert zu sein. Wer ohne die Gewissheit, vom Anderen auch bemerkt worden zu sein, direkt nach der Nummer fragt, ist schon ganz schön mutig.
Zweitens. Sei irgendwie authentisch.

Ob man sich für die Kennlernvariante Ansprechen und Daten entscheidet, ist nicht immer nur eine Frage der Einstellung, denn natürlich gehört zu dieser ganzen Ansprechsache ein gewisses Selbstbewusstsein. Nicht alle sind mit einer überhöhten Portion desselben beschenkt. Es kann viele Gründe geben, dass manch einer vielleicht nie zum Zuge kommt in Sachen Flirten und Dating. Diesen bemitleidenswerten Geschöpfen nehmen sich die Don Juans des 21. Jahrhunderts an: die sogenannten Pick-Up-Artists (PUAs).

Schon mal davon gehört? Das sind die Menschen, in deren Workshops man endlich lernen kann ‚effektiv anzusprechen und zu daten‘. Meistens präsentieren sie sich auf youtube oder in den dubiosen Endlosvideos und Werbeanzeigen, die es irgendwie schaffen, den Werbeblocker zu überwinden. Ihr seid sicher alle mal zufällig auf eine dieser Seiten à la „Wenn du dieses Video zu Ende schaust, werde ich dir erklären, wie du garantiert schöne Frauen verführen kannst“ gestoßen. Wir sprechen also hier von Männern, ‑ scheinbar gibt es mittlerweile auch weibliche PUAs, vorrangig jedoch männliche* ‑ die ihre absolut unwiderstehliche Wirkung auf das weibliche Geschlecht zu ihrer Profession gemacht haben und den anderen Artgenossen mit ihren Erfahrungen weiterhelfen möchten. Darauf hat die Welt gewartet!

*Ich konzentriere mich im Folgenden auf männliche PUAs und vor allem deren taktisches Vorgehen in der Ansprechphase.

Vorsicht! PUA!

Liebe Damen, seid ihr schon einmal Opfer eines PUAs oder eines seiner Schüler geworden? Wie man das erkennt? Nun ja, ganz einfach. Im schlechtesten Fall werden einfach die beiden oben genannten „Regeln“ grundsätzlich missachtet.

Vor ein paar Wochen ist auch mir so etwas passiert.

Auf der Straße schaute mir ein gar nicht so unansehnlicher Herr nach, der mir sofort nachgerannt kam. Ich sei ja eine so schöne Frau, er müsse mir jetzt seine Handynummer geben. Er gebe sie mir schon einmal vorsichtshalber, falls das mit meinem Freund nicht klappen sollte. Ich könne mich dann ja einfach bei ihm melden. Hallo?!

Das ganze erschien so unendlich strategisch geplant und aufdringlich, unschwer ist der Einfluss eines PUAs erkennbar.

Eine Freundin von mir wurde sogar von einem PUA höchstpersönlich an der Supermarktkasse angesprochen. Zumindest stellte sich das im Nachhinein heraus: Der Gute wurde nämlich tatsächlich von einem seiner Schüler über einen Zusatzkurs ausgefragt, als die beiden einen Kaffee trinken waren. Sie meinte, die kurze Zeit, die die beiden zusammen verbracht haben, erschien alles an ihm irgendwie einstudiert und unauthentisch.

Prinzip: Quantität über Qualität?

In den Workshops lernen alle, die meinen, so etwas ließe sich erlernen, wie man möglichst schnell möglichst viele Frauen anspricht, um sich mit ihnen zu treffen und je nach Ambition auch für die eigene Strichliste herumzukriegen. Die Frauen werden dabei anhand ihres Aussehens eingestuft: die typische eins bis zehn Skala. Je besser sie aussieht, desto mehr Punkte gibt es.

Wie traurig, dachte ich mir in der Diskussion mit zwei Freunden und meinte, dass sich natürlich irgendwann irgendjemand zurückmeldet, wenn man penetrant und wahllos jede halbwegs hübsche Frau anspricht, die den eigenen Weg kreuzt.

Nee, meinte ein Kumpel, die Qualität komme durch die Quantität. Wenn man öfter Rückmeldungen bekommt, nachdem man ein Mädchen angesprochen hat, steigere das das Selbstbewusstsein des Mannes und über viele weniger hübsche Frauen wage mann sich nach und nach an die richtig Schönen heran und kriege dann mal so eine ab.

„Umso mehr Leute du kennst, umso mehr Mädchen du hast, desto mehr social proof hast du. Das heißt, du kannst an die qualitativ Hochwertigeren rankommen, wenn du den nötigen social proof hast“, um ihn im PUA-Stil zu zitieren.
Kein Kommentar.

Grundthese der PUA-Ideologie:
Frauen, diese homogene Menschengruppe, stehen auf Alpha-Männer

Ein paar Eindrücke mehr gefällig? Ich hab mir mal die Mühe gemacht und einen Blick in eines der Grundlagenwerke mit dem aussagekräftigen Titel Lob des Sexismus. Frauen verstehen, verführen und behalten von Lodovico Satana (2006) geworfen.

Das zweite Kapitel nennt sich ‚Alpha-Merkmale des Gruppenführers‘, in einzelnen Unterkapiteln wird hier auf die wichtigsten Eigenschaften eines erfolgreichen Mannes eingegangen: Kommunikative Kompetenz und Humor, ein großer Freundeskreis, Selbstvertrauen, Mut und Verantwortung, Führungskompetenz und Dominanz samt dominanter Körpersprache, sowie Lebenserfahrung und Wissen.
Wissen wir bescheid.

Interessant erschien mir als weibliche Leserin vor allem auch das vierte Kapitel Was Frauen wollen, aus dem ich nun einige Auszüge zitieren (und für sich selbst sprechen lassen) möchte:

 Aus: „Weibliche Logik“ und Sprache (S. 73-77) – man beachte bitte die Gänsefüßchen um die weibliche Logik

Männer neigen dazu, das was Frauen sagen, für bare Münze zu nehmen.
„Frauen wollen Männer, die zuhören können“ ist vielleicht die subtilste gesellschaftsfähig gewordene Manipulation der Political Correctness. Männer, die zuhören und das gesprochene Wort ihrer Partnerinnen für bare Münze nehmen, sind Wachs in den Händen der Frau. Nicht zuzuhören war die evolutionäre Antwort des Mannes auf das betaisierende Gerede der Frau, das ihn verwirrte, manipulierte und von der Tat abhielt. Lass es mich betont unsanft ausdrücken: Männer tun gut daran, ihren Frauen nicht zuzuhören! Männer tun gut daran, das Verhalten ihrer Frauen nicht interpretieren zu wollen! Das ewig quälende „Warum?“ und die Suche nach dem Sinn und Zweck weiblichen Handelns wird schlagartig überflüssig, wenn man begriffen hat, dass das weibliche Erleben sich in einer Welt abspielt, in der Emotionen eine weitaus bedeutendere Rolle spielen als logische Verknüpfungen.                                                                   (S. 74)

Und dieses Beispiel ist noch harmloser Bestandteil der theoretischen Erläuterung. Viel interessanter sind eigentlich die praktischen Beispiele, in denen eine idealtypische Situation im Umgang mit einer Frau genauestens beschrieben wird. Diesem Beispiel wird zunächst eine ähnliche Situation vorangestellt, in der ein „normaler Beta-Mann“ endlos versagt. Man lese und staune, was Alpha-Männchen hier hingegen zustande bringt:

 … und hier ein Verführer in derselben Situation …

Ein verschlafener Sonntagvormittag im Bett.

Sie: „Manchmal, wenn ich aufwache, fühle ich mich so leer. Warum nur kann man nicht jeden Morgen glücklich sein?“

Er nimmt sie in den Arm und lächelt: „Ich weiß genau, was du meinst. Manchmal kommt dir alles so schwer vor und die Aufgaben und Pflichten erdrücken dich beinahe. Es ist, als ob du auf der Stelle treten würdest, egal was du zu tun versuchst. Aber dann erinnerst du dich daran, wie viel Wärme und Geborgenheit dir die Gewissheit geben kann, dass es Menschen an deiner Seite gibt, die dir helfen, diese Lasten zu tragen. Und plötzlich fühlst du wieder die Freiheit, über dein Leben selbst bestimmen zu können und lernst die kleinen Freuden des Alltags wieder zu schätzen: Ein ehrliches Gespräch, eine liebevolle Umarmung, die Gegenwart eines wichtigen Menschen …“

Sie kuschelt sich an ihn: „ja …“

Er streichelt ihren Kopf und verfällt in einen ironisch-pathetischen Tonfall:

„Schätzchen, die Götter schicken mir wieder eine Vision. Ich sehe … (strengt sich mit geschlossenen Augen sichtbar an) … eine heiße Kanne Tee, von einer jungen Frau für mich, ihren geliebten Partner, gemacht und serviert … (räkelt sich lustvoll)… ich fühle das Krachen eines frischgebackenen Croissants zwischen meinen Zähnen, ebenfalls von jener jungen Frau zubereitet …“

Sie: (lachend) „Das könnte dir so passen! Heute bist du dran!“

Sie verbringen einige heitere Minuten, während er sie zum Frühstückmachen bewegen will, indem er sie aus dem Bett zu schubsen versucht und ihr mit dem erbarmungslosen Einsatz seines Kopfpolsters als Nahkampfwaffe droht… (S. 75f.)

Wir sind von den Socken, oder? Eine echte Meisterleistung. Damit meine ich sowohl die erfolgreiche Bewältigung dieser äußerst emotionalen Situation, als auch die Sprachgewandtheit des vorliegenden Werkes an sich. Mann, Mann, Mann.

In den hinteren Kapiteln werden die einzelnen Schritte dann genau erklärt und mit praktischen Anleitungen versehen. Eine Gebrauchsanweisung ‚der Frau‘ von der Straße ins Bett – wenn gewünscht sogar in die Beziehung. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung begleitet dabei von Phase 1- Vorbereitungen, Phase 2- Erster Kontakt, Phase 3 – Smalltalk über Phase 6 – Isolation bis ins Finale: Phase 7 – Sex. So einfach ist das also.

Selbstbewusstsein: Huhn oder Ei?

Man fragt sich, warum Männer solche Seminare besuchen. Die Ziele werden sich wahrscheinlich individuell unterscheiden. Der eine möchte aus sich einen Casanova machen, der andere ist vielleicht daran interessiert, endlich eine Freundin zu finden. An und für sich ist es nicht verwerflich, sich Rat zu holen, wenn man besonders schüchtern oder unbeholfen in diesen ganzen Liebesangelegenheiten ist. Aber hilft denn ausgerechnet hier ein theoretischer Zugang?

Nehmen wir einmal an, eine selbstbewusste Ausstrahlung wirke ganz besonders anziehend.

Lässt sich Selbstbewusstsein und Erfolg bei Frauen erlernen?

In unserer Diskussion über diese Frage stellten sich zwei sich grundsätzlich unterscheidende Positionen heraus, die ich hier kurz darstellen möchte.

Die PUA-Philosophie scheint dabei einen Ansatz zu vertreten, den ich als Selbstbewusstsein durch Erfolge bezeichnen möchte. Stellen wir uns einen schüchternen Mann vor, der zudem nicht mit der Visage eines Ryan Gosling ausgestattet ist und sich noch nie getraut hat, von sich aus ein Gespräch mit einer Frau zu beginnen. Plötzlich sagt ihm jemand: „Hey, sprich doch jetzt einfach am Tag zehn Frauen an, sag ihnen, dass sie schön sind und guck‘ was passiert“. Natürlich wird da irgendwas passieren! Spätestens nach dem zweiten Kaffeetrinken dürfte das Selbstbewusstsein des jungen Mannes exponentiell gewachsen sein. So weit, so gut.

Aber wie nachhaltig, um dieses Wort in diesem Kontext zu benutzen, ist sowas denn? Funktioniert mittlerweile auch Flirten nach wirtschaftlichen Prinzipien?

Ein klares Nein! meinerseits. Jede halbwegs vernünftige Frau kann einstudiert von authentisch unterscheiden, hoffe ich. Echtes oder nennen wir es natürliches Selbstbewusstsein muss meiner Meinung nach über Erfahrungen entstehen, die man macht. Über die Jahre eignet man sich in verschiedenen Situationen (bestenfalls) eine gewisse Souveränität und Selbstbewusstsein an. Mangelndes Selbstbewusstsein lässt sich nicht durch einstudierte Floskeln kompensieren, Anmachsprüche haben doch noch nie funktioniert. Ich persönlich finde nichts unangenehmer, als das Gefühl zu haben, einfach nur von irgendjemandem angesprochen zu werden, der sein Selbstbewusstsein an mir pushen möchte. Und sollte das mit dem Kaffee noch klappen, spätestens beim Kinobesuch – müsste doch dem Schema eines zweiten Dates entsprechen? – fällt auf, wie wenig Inhalt in den auswendig gelernten Phrasen steckt, von fehlender Authentizität ganz zu schweigen.

Ganz ehrlich: welche Frau lässt sich denn gerne von einem Möchtegern-Macho nach Regeln der sogenannten ‚Push/Pull‘ (Wechselspiel aus Nähe und Distanz) oder ‚Freeze Out‘-Techniken herumschubsen?

Diese Zeiten sind vorbei. Alpha-Männchen, streift den Lendenschurz ab und schaut euch bitte erstmal um.
Es lebe doch daneben natürliche Schüchternheit!

Und nein, diese Gefahr ist nicht so abwegig, wie man glauben mag. Die vereinzelten Teile der PUA-Gemeinschaft verstecken sich in den verschiedensten Ecken und Winkeln, wie sich an den Erlebnissen meiner näheren Umgebung erkennen lässt. Gebt also Acht in Uni, Supermarkt und an der Ampel!
Und, liebe Damen, sollte euch eines Tages so ein Pseudo-Faust über den Weg laufen, ist allergrößte Vorsicht geboten. Halten wir es also lieber wie Gretchen in dieser Szene:

MARGARETE. Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleit nach Hause gehen.

Sie macht sich los und ab.

_______________________________________________
Vielen Dank an Vice Virtue Photography für das Beitragsbild
und auch an J. für den Tipp zu Lob des Sexismus.

  • http://doktorpeng.de Doktor Eck

    Interessante Sache, ich dachte immer das wäre nur eine Masche um leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ist es vermutlich auch, so wie meiner Meinung nach fast alle „Ratgeber“, egal welcher Art. Leider ist das menschliche Gehirn an sich tatsächlich sehr anfällig für Manipulationen aller Art (Dazu gibt es demnächst wahrscheinlich einen Artikel von mir). Hier schwingt leider mit, dass das hauptsächlich bei Frauen der Fall sein soll. Das ist natürlich Blödsinn, besonders wenn man bedenkt dass hier Typen unterwegs sind, die denken das alle Frauen gleich sind weil sie es in einem Buch gelesen haben. Und dann durch die Gegend laufen und eine vorgefertigte Liste abspulen, sich dabei schlau vorkommen. Der „Erfolg“ dieser Strategien hat seine Hintergründe vermutlich ohnehin hauptsächlich in der Statistik.
    Wenn ich 20 mal meine Haare anzünde und danach gleich in einen Wassereimer stecke, und einmal kommt eine Frisur dabei raus, dann sinkt auch meine Angst mir die Haare anzuzünden und ich hab ab und zu mal ne Frisur. Deswegen ist es noch lange keine gute Strategie.
    Das ganze basiert halt auf dem guten alten Konzept, dass Frauen dumm und nicht mehr als Trophäen für den Alphamann sind. Ich dachte eigentlich das wäre auf dem absteigenden Ast, aber mein Freundeskreis ist da vielleicht auch nicht der beste Gesellschaftsschnitt. Wird wohl noch ne Weile dauern, schade.
    Solange bleibt einem wohl nur übrig sich zu informieren und dadurch solche PUAs schnell zu identifizieren. Dann kann man damit vielleicht sogar Spaß haben, denn eine auswendig gelernte Liste an Aktionen kann man, sofern so wenig dahinter ist wie ich mal vermute, sehr einfach in Aufruhr bringen.
    Das Lese-Beispiel aus dem Buch liest sich wie schlechte Mario-Barth-Fanfiction. Das sagt schon alles.
    Jetzt ist der Kommentar unabsichtlich zum Roman geworden, ich hör mal auf.
    Guter Artikel!

  • Doktor Innen

    Doktor Eck, danke, dass Sie das noch einmal erwähnen. Einer der Hauptgründe, diesen Artikel zu schreiben, war das Erstaunen über diese gehäuften Vorkommnisse.
    Ich habe ebenso wie Sie meine eigene Generation, das eigene Umfeld, relativ befreit von derlei Rollenzuschreibungen erlebt. Aber nein. Ohne jetzt dabei in weitere Zuschreibungsfallen tappen zu wollen, hat mich der Schauplatz Berliner Universität (eigentlich doch Hochburg radikaler Gender Studies Studierenden?) für Vorfälle dieser Art sehr überrascht. Großstädter. Studenten. (Ich führe das mal nicht weiter aus, die Zuschreibungsfalle….)
    Entweder wurden diese Rollenbilder noch nicht genug reflektiert oder aber so stark, dass zu einer Rückwendung bzw. Übertreibung konservativer Vorstellungen führt?

    • Dokt Ohr

      i like ike. äh, diesen artikel. grüsse vom nebenstuhl

      ps:

      „Entweder wurden diese Rollenbilder noch nicht genug reflektiert oder
      aber so stark, dass das zu einer Rückwendung bzw. Übertreibung
      konservativer Vorstellungen führt?“
      wie wärs mit letzter verzweiflung bei zunehmender vereinsamung im grossstadtmoloch?

  • Doktor Carlos

    Ich finde den Artikel auch wirklich sehr gut.

    Ich krieg gerade irgendwie meine Gedanken nicht sortiert, deswegen will ich eigentlich nur auf einen anderen sehr guten Artikel verweisen, den ich zu dem Thema gefunden habe: http://prospect.org/article/how-pick-artist-philosophy-and-its-more-misogynist-backlash-shaped-mind-alleged-killer

    Erschreckend ist hier natürlich der Zusammenhang mit der PUA-„Philosophie“ (oder lieber „Wissenschaft“?) mit einem Massaker bei dem 7 Menschen gestorben sind, aber gleichzeitig scheint das wenig überraschend, da sich der Artikel wie eine Beschreibung einer neo-nazistischen oder rassistischen Vereinigung liest: Gruppen von Menschen werden zusammengefasst und auf Grund pseudo-wissenschaftlicher Thesen beschrieben. Was dabei rauskommt ist natürlich völliger Bullsch, aber wann hat uns das in der Geschichte der Menschheit schon mal davon abgehalten uns wie Vollidioten aufzuführen.

    • http://doktorpeng.de Doktor Eck

      Schon. Kann mich da noch gut dran erinnern, hab damals sogar Teile von besagtem Video angeguckt. Richtig widerlich.
      Ist schon erstaunlich, wie viel Scheiße in der Welt passiert, weil irgendwelche Leute denken irgendwer wäre ihnen irgendwas schuldig.

  • Dok Oc

    Cooler Artikel!

    Finde das im Moment auch ziemlich ätzend, dank diesen Maschen und Aufdringlichkeiten von solchen PUA’s , kann man auch kaum noch jemanden ansprechen, weil eben gleich gedacht wird, man will auch nur dieses Schema F abspulen und kriegt auch gleich die Quittung dafür: Ein Brett vor’n Kopf, manchmal aber immerhin noch einen nett verpackten Korb.

  • Luk

    Hm. Jetzt haben sich alle hier ihrer moralischen Integrität versichert, PUAs wurden nach allen Regeln der Kunst in die Kategorie „unmoralisch“ eingetopft. Das ist leider keine Analyse und Kritik der Maßstäbe, mit denen die PUAs in ihrer Theorie auf die sozialen Beziehungen losgehen, und deren Geltung sie 1. nicht erfunden haben und an die sie 2. geschäftsmäßig erfolgreich anknüpfen können. Statt ein Plädoyer für „Schüchternheit“ und „Authentizität“ (ich interpretiere mal: „geballte Realness im Geschlechterverhältnis“, was das denn?) abzuhalten, könnte man sich mal fragen, woher der Krampf in ebendiesem überhaupt kommt. Denn dieser ganz und gar real existierende Krampf ist doch überhaupt die Geschäftsgrundlage dieser PUA-Vögel*innen!